Greift der Bund bei Air Berlin ein?

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

Die Fluggesellschaft stellte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags.Ein solcher Schritt ist der übliche Weg für den Fall, dass Unternehmen in einem zweiten Schritt dann tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellen. "Wir würden uns die Strecken einzeln anschauen", heißt es dazu aus dem Bundeskartellamt, "und dann entsprechende Auflagen machen".

Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf und des Berliner Finanzsenats wollten sich zu einem Bürgschaftsantrag nicht äußern.

Die finanziell stark angeschlagene Air Berlin ist wohl schon seit Langem auf ein drohendes Ende der Unterstützung vom Golf vorbereitet: Wie airliners.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, pochte Großaktionär Etihad bereits bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Lufthansa-Chef Carsten Spohr Ende April darauf, dass bis September Zugeständnisse von der Bundesregierung für eine Air-Berlin-Unterstützung gemacht werden sollen. Air Berlin sei nicht nur ein Berliner Unternehmen, "sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus". Das zeigt allein ihre Nachfrage, ob ein Antrag auf Bürgschaft geprüft werden könne.

Der im Dezember 2016 vereinbarte Verkauf, der Air Berlin eine Finanzspritze von 300 Millionen Euro sicherte, werde fortgesetzt, teilten Air Berlin und Etihad am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Air Berlin müsse nun alle nötigen Unterlagen dafür einreichen. In der Praxis hat die Bürgschaft als Kreditsicherheit einen hohen Stellenwert, weil dadurch Garantien geschaffen werden, die den Schuldner in die Pflicht nehmen und den Gläubiger absichern. Bis die Transaktion abgeschlossen sei, bleibe Niki als separate Geschäftseinheit bestehen. Im Konzern rechnen im Wahljahr nicht wenige mit einer Ministererlaubnis, sollte das Kartellamt Einspruch einlegen. Dadurch sollte die Sanierung von Air Berlin mit auf den Weg gebracht werden. Denn seit gestern war wieder unklar, ob Niki jetzt im Konzern bleiben würde oder nicht.

Hannover. Die arabische Fluggesellschaft Etihad hat ihre Pläne für die Air-Berlin-Beteiligung aufgegeben. Im Vorgriff auf die neue Aufstellung und die mit TUIfly geplante Konzentration auf Sonnenziele hatte Niki bis Februar bereits die Flüge zu europäischen Städten abseits der klassischen Ferienziele eingestellt.

Dabei handelt es sich um Etihad aus Abu Dhabi, eine der drei grossen Golf-Airlines, die seit 2012 knapp 30% an Air Berlin hält. Eine bei den Regierungen von Nordrhein-Westfalen und Berlin gestellte Voranfrage für einen Bürgschaftsantrag wird gemeinsam mit den Ländern geprüft, wie eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin sagte.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte in dieser Woche zumindest eine erweiterte Partnerschaft mit der Lufthansa ins Auge gefasst.

Strategieschwenk bei Etihad. Einem internen Schreiben zufolge will der Großaktionär von Air Berlin offenbar eine Perspektive für das Gesamtunternehmen Air Berlin/Niki anstreben. Für die Air-Berlin-Kunden dürfe es keine weiteren bösen Überraschungen geben: "Die Bundesregierung muss eine nationale oder europäische Lösung dafür finden, dass im Voraus gezahlte Kundengelder im Falle von Flugbuchungen vor Insolvenz geschützt sind".

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