Londoner Hochhausbrand: Zahl der Todesopfer auf 30 gestiegen

Herr Ries, Sie haben zu dem Hochhaus-Brand in London bereits am Mittwochmorgen gesagt: "Dieses Feuer ist nicht mehr löschbar". Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem "bedeutenden Vorfall" - eine Bezeichnung der britischen Behörden für eine Lage, die besondere Vorkehrungen durch einen oder mehrere Rettungsdienste erfordert. Wegen des Unglücks verzögerte sich die Regierungsbildung in London. Demnach ging der erste Notruf um 00.54 Uhr (Ortszeit) ein. Da schlugen die Flammen schon an der Fassade hoch.

Die Feuerwehr hat nach Angaben Cottons alle 24 Stockwerke kurz durchsuchen können. Es habe keinen Feueralarm gegeben, berichteten mehrere Menschen vor Ort. Laut Cotton drangen die Einsatzkräfte später bis ins 20. Stockwerk vor. Die Opferzahl werde sich aber wohl weiter erhöhen, da mehrere Bewohner noch vermisst würden, sagte der Beamte Stuart Cundy. In dem Hochhaus wohnten 600 bis 800 Menschen. Die Ursache des Brands in dem 24-stöckigen Gebäude blieb zunächst unklar.

Premierministerin Theresa May äußerte sich "zutiefst betrübt" über die Tragödie. Es handle sich aber um kleinere Verletzungen, sagte Feuerwehrchefin Dany Cotton. Wie viele Menschen vermisst würden, könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Ob das auch für den Grenfell Tower gelte, sei nicht klar. Aus den Fenstern loderten riesige Flammen. Augenzeugen berichteten in der Nacht auf Twitter von Schreien. Ein verzweifelter Bewohner schwenkte zeitweise ein weißes Stofftuch aus einem der oberen Stockwerke. Zahlreiche Menschen hatten auch die vergangene Nacht noch in Turnhallen und Hotels verbracht. Und drittens müssen Hochhäuser alle zwei Jahre von der Feuerwehr begangen werden, damit die Retter im Ernstfall wissen, was sie erwartet. "Wir haben sie sterben sehen". Er wurde 1974 errichtet und umfassend modernisiert.

Die Polizei räumte nahegelegene Gebäude, die von herabstürzenden Trümmern gefährdet waren. Das Feuer hätte sich nicht so von Wohnung zu Wohnung ausbreiten dürfen. Die Regierung kündigte an, nun auch andere Hochhäuser zu untersuchen, deren Fassade auf ähnliche Weise erneuert wurde.

Wie sollten sich die Bewohner im Fall eines Feuers verhalten? Auch der frühere Vorsitzende der Anwohnergemeinschaft, David Collins, erhob schwere Vorwürfe: "90 Prozent der Bewohner unterzeichneten Ende 2015 eine Petition, um sich über das Missmanagement zu beschweren".

Der 24-stöckige Komplex gehört der Lokalverwaltung der Bezirke Kensington und Chelsea und wurde in den 1970er Jahren fertiggestellt.

Das Hochhaus liegt in einem Arbeiterviertel des Stadtteils North Kensington.

Der Brand hat auch politische Auswirkungen.

Der BBC zufolge verzögern sich die Gespräche zwischen den Tories und der nordirischen Unionistenpartei DUP über die Bildung einer Minderheitsregierung wegen des Brandes. Mit Blick auf die endgültigen Opferzahlen sagte er: "Ich hoffe, dass es nicht dreistellig wird". Die Bundesregierung in Berlin regierte "mit großer Bestürzung" auf den Hochhausbrand.

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