Deutschland wirtschaftet nicht zulasten Europas

Im Jahr 2015 hat Deutschland laut Studie aus der EU Güter im Wert von fast 620 Milliarden Dollar importiert. Quelle dpa

Regelmäßig echauffiert sich der US-Präsident, wie schädlich die deutsche Exportstärke für die Handelspartner sei. Kritik, wonach die Stärke der deutschen Industrie zu Lasten anderer EU-Staaten gehe, sei unbegründet, so die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Allein die Nachfrage der deutschen Industrie nach Vorleistungs- und Investitionsgütern sichere etwa 3,4 Millionen Jobs in anderen europäischen Staaten.

"Eine dynamische deutsche Industrie bremst die Entwicklung in den anderen EU-Staaten nicht, sondern ist umgekehrt eine wichtige Triebfeder für deren eigene Wachstumsdynamik", erklärte Brossardt. Sie rechnet vor: Die deutsche Wirtschaft schafft auch Jobs im Ausland. Kernaussage des 23-seitigen Papiers, dass das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos erstellt hat: Die deutsche Wirtschaft sichert auch in anderen Ländern Millionen Arbeitsplätze - und zwar vor allem innerhalb der EU, wo die Handelsbeziehungen am stärksten sind.

Deutsche Wirtschaft sichert einer Studie zufolge 4,8 Millionen Jobs in der EU. Dies gilt insbesondere für die Nachbarstaaten Frankreich, die Niederlande und Belgien, die zusammen allein Industriegüter im Wert von mehr als 230 Milliarden Dollar pro Jahr nach Deutschland liefern. Würde sich die deutsche Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern, würde das die Wirtschaftsleistung in der gesamten EU schwächen, heißt es in dem Gutachten.

Von der deutschen Industrie und Importnachfrage profitieren laut Prognos vor allem die direkten Nachbarländer.

Prognos hat außerdem untersucht, welche Folgen eine weniger wettbewerbsfähige deutsche Industrie mit niedrigerem Importbedarf und höheren Verkaufspreisen hätte. Ein schwaches Deutschland würde anderen schaden. "Vielmehr profitieren die Volkswirtschaften Europas: Sie können nicht nur mehr Produkte nach Deutschland verkaufen, sondern auch ihren eigenen Bedarf an deutschen Produkten günstig decken".

Im nächsten Schritt wird aus den Exporten der EU-Länder nach Deutschland auf die Wertschöpfung in diesen Ländern geschlossen. Angesichts dieser Ergebnisse fordert Brossardt, "die Scheindiskussion um angebliche negative Effekte des deutschen Leistungsbilanzüberschusses zu beenden". Der Exportüberschuss von fast 300 Milliarden Dollar entspricht beinahe neun Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt), damit liegt Deutschland auf Platz eins vor China und Japan. In Tschechien, Niederlanden, Frankreich und Italien ist der Güterexport nach Deutschland für jeweils 400.000 bis 500.000 Arbeitsplätze verantwortlich.

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