Opfer-Angehörige verklagen nach NSU-Terror den Staat

Angehörige des getöteten Emver Simsek

Zwei Familien von Mordopfern des sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" verklagen den Staat auf Schadenersatz.

München (dpa) - Zwei Familien von Opfern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verklagen den Staat auf Schadenersatz.

Schon zu Jahresbeginn hat Simsek gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester vor dem Landgericht Nürnberg die Klage gegen den Staat eingereicht, genauer: gegen den Freistaat Bayern, den Freistaat Thüringen und die Bundesrepublik Deutschland.

Bei den Klägern handelt es sich um Angehörige von Enver Simsek, dem ersten Mordopfer des rechtsextremistischen NSU, und Ismail Yasar. Es geht um 50 000 Euro für jedes Familienmitglied. Das Nürnberger Gericht bestätigt auf Anfrage, dass beide Klagen "anhängig "sind". Er war noch ein Kind, als sein Vater am 9. September 2000 ermordet wurde. "Unsere Klage stützt sich auf die Erkenntnisse zahlreicher Untersuchungen, etwa von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und natürlich auch aus der Beweisaufnahme im NSU-Prozess", sagt Daimagüler. Sowohl Simsek als auch Yasar waren in Nürnberg mutmaßlich von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen worden. Die mutmaßlichen Terroristen hätten demnach spätestens im Jahr 2000 festgenommen und die Morde verhindert werden können. Außerdem habe die Polizei die Angehörigen zu Unrecht verdächtigt und unter Druck gesetzt sowie Anschuldigungen frei erfunden.

Die beiden Klagen der Familien Simsek und Yasar werden voraussichtlich nicht die einzigen bleiben. Eine solche Klage vor einem deutschen Gericht schätzt er als "sehr schwierig" ein. Er denke dabei an ein türkisches Gericht, in Istanbul oder Ankara. Aktuell steht der Prozess allerdings wegen des "Psychiaterstreits" still. Joachim Bauer, von Zschäpes neuer Verteidigung als psychiatrischer Gutachter eingesetzt, meint dagegen, die Hauptangeklagte sei ein Opfer ihrer Beziehung zu Mundlos und Böhnhardt gewesen.

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