Zu viele Häuser auf dem Land

Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft werden zu oft neue Häuser gebaut

Nur leider häufig an der falschen Stelle.

Deutschlands Bauherren bauen in ländlichen Regionen nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel zu viel.

Im niedersächsischen Kreis Emsland wurden dem Institut zufolge mehr als 1.060 Wohnungen mehr gebaut, als auf Basis der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung und bestehender Leerstände nötig gewesen wäre.

"Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden", so IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Denn die gebrauchten Immobilien in den Dorfkernen finden häufig keine Abnehmer. Dadurch komme es zu einer verstärkten Zersiedelung. Das wirke sich natürlich auf die Preisentwicklung aus. Die negativen Folgen: Zersiedelung, Leerstände und Preisverfall. Zu viel gebaut werde sowohl in Bayern, im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen, wie eine Grafik des IW zeigt.

Auch in Bayern gibt es laut Experten zu viele Einfamilienhäuser auf dem Land, während in der Stadt der Wohnraum fehlt. Gebaut werde trotzdem, kritisiert das IW. Zum Großteil handelt es sich dabei um große Wohnungen oder Einfamilienhäuser. Für den Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab etwa haben die Wissenschaftler einen Bedarf von 83 Wohnungen ausgerechnet - gebaut wurden zwischen 2011 und 2015 jedoch 252. Laut der Studie entspricht das 2.764 Prozent des Bedarfs.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da: "Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit", sagte Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München. "In der Summe hätten wir eigentlich genug Wohnraum in Deutschland - wenn er an der richtigen Stelle wäre". Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in ländlichen Regionen Deutschlands fast zwei Millionen Wohnungen leer.

Voigtländer vom IW machte die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre für den Trend verantwortlich. Das Gebrauchthaus ist offensichtlich nicht übermäßig beliebt. "Viele Familien bauen lieber etwas Neues", sagte Voigtländer. Gleichzeitig würden "Neubauten gegenüber Altbauten bevorzugt", was angesichts der insgesamt rückläufigen Bevölkerung auf dem Land zu neuen Leerständen führe. "Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand". Trotz des Wettbewerbs zwischen den Gemeinden sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen".

Tobias Just, Leiter der IREBS Immobilienakademie in Regensburg, warnt allerdings vor einer Fehleinschätzung: "Wie sich die Bevölkerung insgesamt in den nächsten Jahrzehnten entwickelt, wissen wir gar nicht so genau", sagt er.

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