Arte zeigt umstrittene Doku über Antisemitismus

Arte-Logo in Straßburg dem Sitz des Senders Die Unterstellung einer Zensur wies Arte als

Berlin/Wien - Der deutsch-französische Kultursender Arte wird die umstrittene Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" entgegen seiner ursprünglichen Absicht nun doch zeigen.

Mit Blick auf die öffentliche Diskussion und um einen identischen Kenntnisstand des ARTE-Publikums in Frankreich und Deutschland zu ermöglichen, hat sich ARTE dazu entschlossen, die im Ersten ausgestrahlte Dokumentation und anschließende Diskussionssendung am 21. Juni 2017 zu übernehmen und ab 23 Uhr zeitversetzt auszustrahlen. Dabei sollen auch die vom WDR beanstandeten Mängel berücksichtigt werden. Derzeit kursieren im Internet nur fehlerhaft übersetzte französische Fassungen.

Zur Prüfung des Films hatte der WDR dann Ende vergangener Woche ein halbes Dutzend Rechercheure beauftragt. Nachdem eine Redakteurin den Film abgenommen und die Autoren Joachim Schroeder und Sophie Hafner ihr Honorar erhalten hatten, weigerte sich Arte jedoch, den Film zu senden: Die Dokumentation entspreche nicht dem geplanten Projekt, weil nicht wie verabredet der wachsende Antisemitismus in Europa im Fokus stehe, sondern zumeist im Nahen Osten gedreht wurde. Denn gerade diese vermeintlichen oder tatsächlichen Fehler, so sollen Tatsachenbehauptungen nicht belegt und Betroffene mit den im Film erhobenen Vorwürfen nicht konfrontiert worden sein, haben die Dokumentation zum medialen Politikum gemacht. "Das aber gehört zu den Standards der journalistischen Arbeit". Arte sei "über diese fundamentalen Änderungen bis unmittelbar vor Lieferung des Films bewusst im Unklaren gelassen" worden, hieß es aus Straßburg.

Die Filmemacher zeigen in ihrem Film außerdem beispielsweise Szenen von einer Demo in Berlin oder Bilder von der jüdischen Gemeinschaft in der Pariser Vorstadt Sarcelles.

"Das Thema der Dokumentation war und ist uns wichtig", schrieb WDR-Intendant Tom Buhrow. "Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen".

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