IW-Studie: Viel zu viele Häuser auf dem Land

Deutschlands Häuslebauer bauen in ländlichen Regionen nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft viel zu viel

Köln - In ländlichen Regionen in Deutschland wird nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel zu viel gebaut - jedenfalls deutlich mehr, als eigentlich sinnvoll wäre, gemessen an der schrumpfenden Bevölkerung. "Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden", sagte IW-Immobilienexper.

Durch die Zersiedlung mit neuen Baugebieten werde die Infrastruktur nicht effizient genutzt, was die Kosten für die Kommunen nach oben treibe, ihre Attraktivität aber nehme ab, wenn das Gebiet zersiedelt sei, Gebäude leer stünden und verfallen würden. Das wirke sich natürlich auf die Preisentwicklung aus. Darüber hinaus erwarten die Forscher weitere negative Folgen wie verödende Dorfzentren und neue Leerstände. Niedrige Zinsen machten das Häuslebauen heute erschwinglicher als noch vor einigen Jahren. Die Frage sei nur: Wer will diese Häuser in 30 Jahren kaufen?

Die Entwicklung ist keineswegs auf Norddeutschland begrenzt: In weiten Teilen des wirtschaftsstarken Bayern wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen. In Bayern gilt das laut Studie sogar für die Mehrheit der Landkreise: Wohnungen fehlen demnach in den Großräumen München und Nürnberg, in Kitzingen sowie ganz im Süden in den drei Alpen-Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Berchtesgadener Land.

Überall anders ist nach Einschätzung der IW-Forscher der Bedarf entweder gedeckt oder zu viel gebaut worden, so im Bayerischen Wald und in Teilen der Oberpfalz, aber auch im ländlichen Mittelfranken oder im Oberallgäu. In den sieben größten Städten entstanden hingegen nur etwa ein Drittel der benötigten Wohnungen - das sind 60 000 zu wenig.

Laut IW entstanden etwa im niedersächsischen Landkreis Emsland im untersuchten Zeitraum über 1060 Wohnungen mehr "als auf Basis der demografischen Entwicklung und der Leerstände" nötig gewesen wären.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da.

In Deutschland entsteht zwar viel neuer Wohnraum, aber an den falschen Standorten. Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer, davon etwa 950.000 in ländlichen Regionen.

Voigtländer vom IW machte die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre für den Trend verantwortlich. Das Gebrauchthaus ist offensichtlich nicht übermäßig beliebt. So bauten viele Familien auf dem Land lieber etwas Neues, als sich etwas Altes zu kaufen. "Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen". "Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand". Kommunen fordert es daher auf, die Zentren attraktiver zu gestalten, keine neuen Bauflächen mehr auszuweisen oder Neubaugenehmigungen an den Abbau von Leerstand bzw.

Tobias Just, Leiter der IREBS Immobilienakademie in Regensburg, warnt allerdings vor einer Fehleinschätzung: "Wie sich die Bevölkerung insgesamt in den nächsten Jahrzehnten entwickelt, wissen wir gar nicht so genau", sagt er.

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