Auch Arte zeigt umstrittene Antisemitismus-Doku

Dreharbeiten in der palästinensischen Hafenstadt Gaza City

"Darin liegt eine grundlegende Abweichung des ursprünglichen Sendekonzepts", bestätigt der Sender in der neuerlichen Mitteilung seine ursprünglichen Einwände gegen den Film.

Rolle rückwärts: Der TV-Sender Arte wird die umstrittene Antisemitismus-Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa" nun doch ausstrahlen. Sogar der Vorwurf, dass die Produktion „politisch nicht genehm“ sein könnte und dem Publikum deshalb vorenthalten würde, machte vor einigen Tagen die Runde. Die Autoren Sophie Hafner und Joachim Schroeder hatten aus Sendersicht zu viel im Nahen Osten statt in Europa gedreht und zu viele Tatsachenbehauptungen ohne Beleg stehen lassen.

"Das Thema der Dokumentation war und ist uns wichtig", sagte WDR-Intendant Tom Buhrow: "Wir haben den Film intensiv geprüft, und ich habe entschieden, die Dokumentation und unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen". Darüber hinaus seien offenbar Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Darüber sei die Redaktion "bis unmittelbar vor Lieferung des Films bewusst im Unklaren" gelassen worden, so Arte. Laut arte kursieren im Internet zahlreiche fehlerhafte Versionen der Doku. Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher kommen zu Wort, und weitere Dutzende von Menschen äußern sich.

Ganz Deutschland diskutiert über eine Dokumentation, bevor sie überhaupt erschienen ist.

Damit sich die Zuschauer ein eigenes Bild machen könnten, wird der Film nun aber doch gezeigt.

Mit demselben Argument hatte Arte begründet, warum es gegen den als "befremdliche Vorgehensweise" bezeichneten Verstoß gegen das Urheberrecht seitens der Bild-Zeitung keine rechtlichen Schritte einleitet. Der ursprünglich für den deutsch-französischen Kultursender Arte produzierte Film hatte für viel Wirbel gesorgt und war von "Bild.de" am 13. Juni für einen Tag online gestellt worden.

Doch die Aufnahme der Doku in das ARD-Programm habe zu einer "neuen Situation" geführt.

Rolf Verleger (ehem. Mitglied "Zentralrat der Juden in Deutschland") hingegen hält die Vermischung zwischen Israelkritik und Antisemitismus für falsch. "Für die französischen Zuschauer wird das nicht der Fall sein", heißt es in einer Pressemitteilung des deutsch-französischen Senders. Arte wird die Sonderprogrammierung des Ersten am Mittwoch einfach übernehmen und zeitversetzt ab 23 Uhr zeigen.

Kritiker sehen darin ein zweifelhaftes Signal für zukünftige Fernsehproduktionen.

Der WDR prüfe intensiv, ob die Dokumentation den journalistischen Standards und Programmgrundsätzen entspreche.

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