Kohls Sohn kritisiert Pläne für Trauerfeiern und Begräbnis

Helmut Kohl am Tegernsee

Zu einem Eklat kam es am Mittwoch: Kohls Sohn Walter versuchte vergeblich, in das Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim zu gelangen. Vertraute der Familie hatten am Wochenende nach Kohls Tod erklärt, der Leichnam werde voraussichtlich bis zu den Trauerfeierlichkeiten dort bleiben. "Ich finde die bisherige Entwicklung unwürdig für meinen Vater, für Deutschland und für Europa".

Der Anwalt der Witwe Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Walter Kohl am Mittwoch vor, vorherige Kontaktversuche ignoriert zu haben und nun bewusst einen Eklat zu inszenieren. "Ich möchte als Familienmitglied einen Diskussionsvorschlag unterbreiten, der sowohl die europäische als auch die deutsche Dimension verbindet". Ein europäischer Trauerakt ist für den 1. Juli am Sitz des EU-Parlaments in Straßburg geplant, anschließend soll Kohl auf einem Friedhof in Speyer beigesetzt werden. Diese drei Elemente sollten nach der Auffassung von Walter Kohl bestehen aus "einem Staatsakt, bei dem sich Deutschland verabschiedet, einem ökumenischen Requiem, das die Konfessionen vereint und schließlich militärischen Ehren, dem Großen Zapfenstreich".

Das Brandenburger Tor stehe wie kaum ein anderes Bauwerk für die deutsche Einheit, sagte der Sohn des Altkanzlers. "Ich bin überzeugt, dass diese Idee bei voller Gesundheit seine Zustimmung gefunden hätte", sagte Walter Kohl mit Blick auf den Vater. Dabei soll es aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur darum gegangen sein, Abläufe zu klären für die spätere Abholung des Sarges mit Kohls Leichnam vor den Trauerfeierlichkeiten am 1. Juli. Es wäre dies der erste derartige Staatsakt in der Geschichte. Danach wird der Sarg nach Speyer überführt. An der geplanten Beisetzung in Speyer werde er nicht teilnehmen. Hannelore Kohl, die sich 2001 das Leben genommen hatte, ist seine Mutter. Sie ist in Ludwigshafen begraben. "Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden", beklagte er. "Deshalb finde ich es richtig, wenn er neben ihr seine letzte Ruhe findet". "Für mich ist klar: Hannelore Kohl darf nicht einfach weggekürzt werden". Dennoch liege ihm "eine angemessene Würdigung" des politischen Lebenswerkes seines Vaters am Herzen.

Helmut Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben und anschließend dort aufgebahrt worden.

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