Kohl: Sohn fordert Staatsakt am Brandenburger Tor

Ablauf für die Trauerfeierlichkeiten Bild AFP

Die Begründung laut Polizei war, dass ein Telefonat gestern um 17 Uhr mit Dr. Holthoff-Pförtner (Anwalt von Maike Kohl-Richter und langjähriger Anwalt und Vertrauter Helmut Kohls, Anm. der Redaktion) nicht zustande gekommen sei aufgrund vermeintlicher Nichterreichbarkeit meiner Person. Andere stellten unter Beweis, dass sie weder ihren Frieden mit Helmut Kohl gemacht haben, noch dem alten Grundsatz "de mortuis nil nisi bene "folgen wollten". Für Kohls Witwe hat der Bundestagspräsident einen kleinen Seitenhieb parat. Er stellt Kohl in eine Reihe mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker - für sie sei die Epoche der Weltkriege keine Erzählung, sondern Erfahrung gewesen. Zwar kam es Jahre später zu einer Art Versöhnung zwischen der CDU und Kohl, doch Christian Schwarz-Schilling (CDU), von 1982 bis 1992 als Minister im Kabinett Kohl, sagte gegenüber unserer Zeitung: "Ich glaube, dass die Aussöhnung zwischen der CDU und Kohl die kritische Haltung Kohls gegenüber Merkel bis zuletzt nicht überdecken konnte". Wie gestern öffentlich wurde, sollte gar der umstrittene ungarische Premier Viktor Orban die Trauerrede halten - statt Angela Merkel. Der Anwalt von Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Walter Kohl vor, bewusst einen Eklat zu inszenieren. "Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden", beklagt Walter Kohl.

Walter Kohl fordert zudem einen Staatsakt am Brandenburger Tor. Helmut Kohl war am vergangenen Freitag im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben und anschließend zu Hause aufgebahrt worden. Er war 2008 Trauzeuge bei der zweiten Eheschließung, er informiert seit Kohls Tod quasi exklusiv aus dem berühmten Bungalow des Altkanzlers in Ludwigshafen-Oggersheim. Lammert sprach von Kohl als der "personifizierten vertrauensbildenden Maßnahme der Weltpolitik". Nach dpa-Informationen ist das nach jetzigem Stand weiter so vorgesehen. Kohl wird am 1. Juli im EU-Parlament in Straßburg auch mit einem Europäischen Trauerakt geehrt. Vom deutschen Boden dürfe nie wieder Krieg ausgehen - dieses Versprechen sei auch für Kohl immer Leitlinie seiner Politik gewesen. Im Anschluss an die Totenmesse ist ein "militärisches Abschiedszeremoniell mit Ehrenformation" vor dem Dom vorgesehen. Ohne Kohl sei "die deutsche Einheit schwer vorstellbar". Hannelore Kohl, die sich 2001 das Leben genommen hatte, ist seine Mutter.

Er werde an der privaten Beisetzung in Speyer nicht teilnehmen, "auch um jeden Eindruck zu vermeiden, ich würde dies gutheißen", sagte der Sohn des Altkanzlers. Eine angemessene Würdigung des politischen Lebenswerkes seines Vaters liege ihm jedoch am Herzen.

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