Seehofer: Kandidat Schulz verliert die Nerven

Einmal mehr verteidigt der SPD-Chef seine Forderung, "die Leistungsträger", "die hart arbeitenden Menschen in der Mitte des Lebens", zu entlasten und gleichzeitig die Rente zu stabilisieren. Kanzlerin Merkel hält das Thema nicht für aktuell, weil das Rentensystem bis 2030 sicher finanziert sei. Das Publikum in der Dortmunder Westfalen-Halle jubelt, dann legt Schulz nach. Der SPD-Kanzlerkandidat hatte der CDU vorgeworfen, bewusst auf eine niedrige Wahlbeteiligung in Deutschland hinzuarbeiten. "Ich nenne es einen Anschlag auf die Demokratie!". Das sind ungewöhnlich harte Worte des Herausforderers, der Merkel über viele Monate nie persönlich anging.

"Das ging 2009 und 2013, aber nicht mehr im Jahre 2017", rief Schulz den Delegierten zu.

Die Sozialdemokraten ziehen nun mit ihrem Programm unter dem Titel "Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit: Zukunft sichern, Europa stärken" in die heiße Phase des Wahlkampfs.

Berlin - CDU-Bundesvize Armin Laschet hat die scharfe Kritik von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Wahlkampfstil der Union zurückgewiesen. "Man muss die Macht auch unbedingt wollen, hat er der SPD zugerufen - und das war ja auch nicht zu allen Zeiten selbstverständlich", so Fornoff. Wie schulz warf Oppermann der Union Inhaltslosigkeit vor. Die große Koalition sollte aus seiner Sicht keine Dauerveranstaltung werden. Sein Ruf "Auf in den Kampf" zum Schluss klang nicht donnernd, man hörte aus ihm eher die Erleichterung, sich wieder setzen zu dürfen.

Abgesehen von diesen Vorhaltungen war Schulz' Rede ein weites Feld.

Ob der Parteitag Schulz dabei helfen wird, die politische Stimmung zu drehen, ist fraglich. Er erinnert auf dem Podium an seinen Wahlkampf von 2005, als die SPD ebenso wie heute in den Umfragen weit hinter der Union zurücklag, aber noch aufholen konnte.

Am Sonntagvormittag wird vor Schulz Altkanzler Gerhard Schröder versuchen, die Parteibasis zu motivieren. Ein Drittel von ihnen entscheide sich erst am Wahltag oder kurz davor. Schaberick glaubt an den Erfolg seiner Genossen, nach dem Parteitag ein bisschen mehr als davor. Das Wahlprogramm wird einstimmig verabschiedet. Die von linken Sozialdemokraten und dem DGB geforderte Vermögensteuer räumte der Parteivorstand bei einer Sitzung am Samstag ab.

In Dortmund sprach Gerhard Schröder, der letzte noch lebende Alt-Kanzler, bekannt als Wahlkampfmaschine, vor Schulz.

Jenseits der öffentlichen Auftritte zeigt inzwischen auch der Kanzlerkandidat Nerven; dass Umfragetief zehrt offenkundig an ihm. Nichts ist in Stein gemeißelt - und auch die Kanzlerin ist vor Fehlern nicht gefeit. In den 91 Tagen bis zur Bundestagwahl könne die Partei noch kräftig zulegen. Dagegen wandte er sich gegen einen möglichen Koalitionspartner, die Linke.

"So groß darf die Verzweiflung niemals sein, dass wir Demokraten uns gegenseitig Anschläge auf die Demokratie vorwerfen", entrüstete sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber via Twitter. Also ist Schröder nach Dortmund gekommen, um zu "schrödern", wie man es hinter vorgehaltener Hand nennt. "Herzkammer? Stammland? Alles Pustekuchen und Selbstbetrug", hatte der neue SPD-Landesvorsitzende Michael Groschek der Partei nach der Niederlage bei der Landtagswahl ins Stammbuch geschrieben. Das wollen wir nicht als Selbstzweck.

Nach dem Beschluss des Parteitags, sich für die Aussetzung der Abschiebungen nach Afghanistan einzusetzen, stellte Schulz klar, das gelte nicht für Kriminelle und Gefährder. Venceremos!" (Spanisch für: "Wir werden siegen).

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