Stada-Übernahme durch Finanzinvestoren gescheitert

Bain und Cinven können zwar ein weiteres Angebot für Stada vorlegen in Finanzkreisen wird dies aber als wenig wahrscheinlich gesehen

Sie waren verstärkt bei Stada eingestiegen, nachdem Mitte Mai Spekulationen aufkamen, dass Shanghai Pharmaceuticals aus China auch noch eine Übernahme von Stada erwäge.

FrankfurtDie Übernahme des hessischen Arzneimittelherstellers Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven ist gescheitert. Sie kosten damit wieder in etwa so viel wie Anfang April, als Stada zwei Übernahmeangebote angekündigt worden waren und das Management sich für das von Bain und Cinven als das attraktivere entschieden hatte.

Eine Annahmequote von 67,5 Prozent der Stada-Aktionäre hätte es für den Deal gebraucht. Nur 65,52 Prozent hätten bis Fristende am vergangenen Donnerstag die Kaufofferte der Beteiligungsgesellschaften angenommen. Die Beteiligungsfirmen hatten 66 Euro je Stada-Aktie geboten und zur Bedingung gemacht, dass ihnen mindestens 67,5 Prozent der Papiere angedient werden.

Der Hersteller von Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad will nun seine Gewinnziele aus eigener Kraft erreichen. Die für das laufende Geschäftsjahr 2017 ausgegebenen Ziele bleiben von der Beendigung des Übernahmeangebots unberührt. Probleme, die Anteilseigner zu überzeugen, hatten sich bereits abgezeichnet. So mussten die Finanzinvestoren jüngst die Annahmeschwelle für ihr 5,3 Milliarden Euro schweres Angebot senken und den Stada-Aktionären eine verlängerte Frist einräumen, da sich eine geringe Zustimmung abgezeichnet hatte.

Das Investoren-Duo darf nun nach dem Gesetz ein Jahr lang keinen neuen Anlauf bei Stada nehmen - es sei denn, das Unternehmen selbst und die Finanzaufsicht BaFin stimmten zu.

Bain und Cinven könnten aus rechtlichen Gründen erst 2018 ein weiteres Angebot für den Pharmakonzern vorlegen, in Finanzkreisen wird dies aber als wenig wahrscheinlich gesehen.

Stada teilte mit, das Unternehmen halte ungeachtet der gescheiterten Übernahme an den Gewinn- und Umsatzzielen fest.

"Wir respektieren das knappe Votum unserer Aktionäre und verstehen es als Auftrag, unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben", betonte Stada-Vorstandschef Matthias Wiedenfels. Der Vorstand geht unverändert von einem um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigten Konzernumsatz zwischen 2,28 und 2,35 Milliarden Euro aus. Für das Jahr 2019 stellt das Unternehmen einen Anstieg des bereinigten Konzernumsatzes auf 2,65 bis 2,70 Milliarden Euro, ein bereinigtes EBITDA zwischen 570 und 590 Millionen Euro und einen bereinigten Konzerngewinn zwischen 250 und 270 Millionen Euro in Aussicht. Das bereits begonnene Programm werde weiter umgesetzt, hieß es.

Aber auch die Privatanleger, die 27 Prozent der Aktien halten, haben weniger als erwartet gezeichnet, war aus Bankenkreisen zu hören.

Bain und Cinven hatten sich in dem monatelangen Übernahmekampf um Stada seit Februar zunächst gegen die konkurrierenden Investoren Advent und Permira durchgesetzt. Daneben könnten auch aber auch andere Interessenten für Stada wieder ins Spiel kommen.

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