Frisches Gemüse aus der Antarktis

Gemüsezucht bei minus 40 Grad

Um die Pflanzen wird sich ein Jahr lang Raumfahrt-Ingenieur Paul Zabel (29) kümmern. Und zwar an einem unwirtlichen Ort: in der Antarktis.

Die Forscher des Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Bremen haben ein ganz besonderes Gewächshaus entwickelt. "Ziel ist es, der Stations-Crew den Großteil davon zur Verfügung zu stellen", sagte Zabel gestern bei der Präsentation des von der EU geförderten Projekts "Eden-ISS". Eine Lösung wäre ein möglichst autarkes Gewächshaus, in dem entsprechende Pflanzen unter optimalen und kontrollierten Bedingungen wachsen. Ein kleiner Teil der Ernte wird für die Forschung genau unter die Lupe genommen. "Gurken, Radieschen, Paprika, Salate und Kräuter gedeihen bereits jetzt beim Testlauf in Bremen", sagt Projektleiter Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. Vor allem aber geht es um die Abgeschiedenheit: Von Ende Februar bis Ende Oktober kann das neunköpfige Überwinterungsteam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung auf der Station nicht beliefert werden. Das DLR will im Rahmen des Projekts EDEN-ISS ein solches Gewächshaus testen - im dunklen Winter der Antarktis. Nur die Strom- und Datenversorgung liefert die Forschungsstation.

Unter künstlichem Licht und ohne Erde sollen Salat und Gurken in einem Gewächshaus wachsen. Bei dieser Technik werden die Pflanzen ohne Erde steril kultiviert und alle zehn Minuten computergesteuert mit einem Wasser-Nährstoffgemisch besprüht.

"Die Pflanzen wachsen schneller und produktiver als in der Natur."

Nutzpflanzen im Raumschiff oder auf dem Mars hätten aber nicht nur den Effekt, Astronauten mit frischer Nahrung zu versorgen. Zudem könnten Astronauten aus Mais Bioplastikgeräte herstellen. Und bei einer Mars-Mission die drei Jahre dauert, sei auch die psychologische Wirkung nicht zu vernachlässigen.

DLR-Vorstand Hansjörg Dittus hat aber nicht nur Raumfahrtmissionen im Sinn: "Die Messkampagne hat eine hohe Bedeutung für die gesamte Ernährungssituation auf der Erde". In einigen Jahrzehnten würden die meisten Menschen in riesigen Städten leben.

Im EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis sollen Pflanzen unter künstlichem Licht wohltemperiert wachsen. Ende Dezember wird das Gewächshaus 400 Meter entfernt von der Neumayer-Station III installiert.

Paul Zabel ist schon sehr gespannt auf seinen ausgedehnten Außeneinsatz, der ihn gefühlt sehr weit von der Heimat in Deutschland wegbringt. Zwei Wochen lang hat er dafür in einem niederländischen Gewächshaus einen Intensivkurs im Gärtnern erhalten.

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