"Finis Germania" und die SPIEGEL-Bestsellerliste

Platz 6 ist weg

Die Liste der "Sachbücher des Monats" wurde über 20 Jahre lang von NDR Kultur gemeinsam mit der "Süddeutschen Zeitung" und mit Unterstützung des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels erstellt.

Die SPIEGEL-Chefredaktion hat sich entschieden, das Buch "Finis Germania" des Autors Rolf Peter Sieferle von der Bestsellerliste zu nehmen. An der Stelle, an der zuvor das Buch "Finis Germania" gestanden hatte, stand plötzlich: nichts mehr. Nach heftiger Kritik war Saltzwedel als Jurymitglied zurückgetreten.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls trat Saltzwedel aus der Jury aus und erklärte, er habe mit seiner Empfehlung "bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen".

Auf Platz 5 folgt nun Platz 7. Der ehemalige "Focus"-Redakteur und AfD-Berater Michael Klonovsky beklagte sich sogleich über die Methoden der "Literatur-Stasi", Henryk M. Broder fauchte in der "Welt": "Auf diese Weise hatten auch sowjetische Zensoren Geschichtsschreibung betrieben".

Doch wer war denn nun dafür verantwortlich? Dabei basiert die Liste selbst nur auf Verkaufsdaten: Die Fachzeitschrift "Buchreport", herausgegeben von einer "Spiegel"-Tochter, erhebt jede Woche, wie oft welches Buch in Geschäften und Onlineshops verkauft wurde, und sortiert die Daten nach formellen (Hardcover oder Taschenbuch?) sowie einigen inhaltlichen Kriterien (bestimmte Buchtypen wie etwa Kinder- oder Kochbücher werden nicht berücksichtigt)". Gegenüber "Meedia" bestätigte eine Sprecherin des Verlags die Streichung: Eine solche gebe es nur in absoluten Ausnahmefällen, aber die Chefredaktion halte das Buch "für klar antisemitisch" und möchte die Verbreitung nicht unterstützen.

Hätte der "Spiegel" das Buch wenigstens transparent entfernt, wäre ihm Kritik aus der rechten Ecke gewiss gewesen, doch zumindest hätte er sich in vielen anderen Ecken Glaubwürdigkeit bewahrt. SPIEGEL ONLINE veröffentlichte am 12. Juni 2017 einen Text in eigener Sache mit einem Zitat des SPIEGEL-Chefredakteurs Klaus Brinkbäumer: "Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat, und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury". "Buchreport" teilte uns mit, der Titel wäre "nach vorläufigen Verkaufszahlen auf der kommenden Bestellerliste nicht mehr vertreten".

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