Fruchtbarkeit: Männer produzieren immer weniger Spermien

Dattel-Palme in Abu Dhabi

Einer neuen Studie zufolge produzieren Männer in westlichen Ländern immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit erlaubt das zwar nicht, Experten schlagen dennoch Alarm. Möglicherweise ist der Schwund aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme.

"Angesichts der Bedeutung der Spermien für die männliche Fruchtbarkeit und die menschliche Gesundheit ist diese Studie ein dringender Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt", sagt Studienleiter Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem.

"Die Funktionalität der Spermien, ihre Beweglichkeit, aber auch morphologische Veränderungen wurden in dieser Analyse nicht berücksichtigt", gibt auch der Zellbiologe Artur Mayerhofer von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu bedenken. "Die in dieser Arbeit gut dokumentierte Abnahme der Spermienzahl ist keine Überraschung, weil eine Vielzahl von Berichten seit Jahrzehnten dazu vorliegen", sagt Mayerhofer. Bedenklich sei auch der Trend zu einer Zunahme von Hodentumoren. Am Ende werteten die Wissenschaftler 244 Spermienzählungen aus 185 Studien aus, die an insgesamt knapp 43.000 Männern von überall auf der Welt durchgeführt worden waren.

Ist der westliche Lebensstil ungesund?

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Wichtige Unterscheidungsmerkmale bezüglich der Studien zur Spermienzahl waren, ob die Männer bereits ein Kind gezeugt hatten (also nachweislich fruchtbar waren) oder ob dies nicht erhoben worden war.

Die Erkenntnis daraus: In dem Zeitraum zwischen 1973 und 2011 soll die Spermienzahl und -konzentration von Männern in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland um 52,4 Prozent gesunken sein. Die Untersuchung mit Tausenden Franzosen kam ebenfalls zum Schluss, dass die Spermienproduktion abnimmt - um zwei Prozent pro Jahr.

Nicht untersucht haben die Forscher in der aktuellen Studie Beweglichkeit und Form der Spermien - beides Eigenschaften, die ebenfalls maßgeblich sind für die Zeugungsfähigkeit.

Die Zahl der Spermien von Männern aus Europa und anderen westlichen Regionen geht immer weiter zurück.

Den Angaben zufolge beziehen sich diese Zahlen auf diejenigen Männer, bei denen nicht festgestellt wurde, ob sie zeugungsfähig sind. Bei den Männern mit Kindern betrug der jährliche Rückgang bei der Anzahl pro Milliliter und der Gesamtzahl jeweils etwa 0,8 Prozent. In den übrigen Weltregionen war kein statistisch bedeutsamer Trend zu erkennen. "Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass dieser Rückgang stark und anhaltend ist", erklärt die Reproduktionsmedizinerin und Studien-Ko-Autorin Shanna Swan. Swan hatte im Jahr 2000 eine ähnliche, aber weniger umfangreiche Studie veröffentlicht.

Den Forschern zufolge müssen die genauen Gründe für den Rückgang aber noch weiter untersucht werden, um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. "Die Männer in den westlichen Industrienationen haben immer noch rund 47 Millionen Spermien je Milliliter Ejakulat", sagt Stefan Schlatt, Chef der Reproduktionsmedizin an der Universität Münster. Die aufgezeigte Tendenz sei allerdings nur ansatzweise bedenklich: "Wenn man sich die konkreten Zahlen ansieht, liegen sie immer noch weit über den Werten, die die Weltgesundheitsorganisation als Untergrenze der Zeugungsfähigkeit angibt".

Im statistischen Mittel ging die Spermienanzahl pro Milliliter bei westlichen Männern von 1973 bis 2011 pro Jahr um 1,4 Prozent zurück, bei der Gesamtzahl pro Spermaprobe sogar um 1,6 Prozent.

"Das Handy in der Hosentasche, endokrine Disruptoren aus der Umwelt, die Acetylsalicylsäure im Schmerzmittel, ein anderer Hormon-Stoffwechsel wegen Übergewicht oder der Missbrauch von Hormonen für den Muskelaufbau: All das steht im Verdacht, Ursache für weniger Spermien zu sein".

Dennoch gibt es wohl für Männer und ihre Fruchtbarkeit noch keinen Grund zur Panik. Deshalb muss immer häufiger mit künstlicher Befruchtung nachgeholfen werden.

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