ThyssenKrupp: Gespräche mit Tata über Stahlfusion dauern an

Ein Stahlarbeiter prüft am Hochofen bei Thyssenkrupp in Duisburg die Stahlqualität nach dem Abstich

Frankfurt. (reu) Thyssenkrupp will bei den Marathon-Verhandlungen für eine Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel auf den letzten Metern keinen Fehler machen.

Aufgrund der guten operativen Entwicklung stieg der Konzernüberschuss im dritten Quartal auf Jahresbasis um 8% auf 134 Mio. Nicht zuletzt dank der deutlich höheren Stahlpreise ist der Gesamtumsatz im dritten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2016/17 um 11 Prozent, der Betriebsgewinn um mehr als 40 Prozent gestiegen. "Wir haben das erforderliche Mindestniveau zur Deckung der Kapitalkosten erreicht".

Eigentlich müsste der Aufschwung Konzernchef Heinrich Hiesinger zupasskommen.

Sein erklärtes Ziel bleibt es deshalb, den Konzern stärker auf die weniger konjunkturanfälligen Industriegüter- und Dienstleistungssparten rund um Aufzüge, Industrieanlagen und das Zuliefergeschäft für die Automobilindustrie auszurichten.

Unterdessen kommt die Stahlbranche immer besser in Schwung. "Wir wollen eine industriepolitische Lösung". "Die Talsohle ist (hier) offenbar durchschritten", sagte CFO Kerkhoff. Jede Lösung werde deshalb anschließend eine sorgfältige Überprüfung erfordern, die zusätzliche Zeit beanspruchen werde. "Qualität geht vor Zeit", betonte er. Kerkhoff wollte dies am Donnerstag ebenso wenig bestätigen oder dementieren wie Berichte, wonach Thyssen in dem Joint Venture nur eine Minderheitsbeteiligung anstrebt.

Zu einem möglichen Plan B - spekuliert wird unter anderem über einen Teil-Börsengang der Technologiesparten - hielt er sich bedeckt, wiederholte aber, dass auch mit anderen Unternehmen über ein Joint-Venture gesprochen werde. Die rund 27 000 Beschäftigten bei ThyssenKrupp bangen um ihre Jobs und befürchten Werksschließungen. Zuvor hatten sich die Essener bereits von dem verlustreichen Geschäft in Brasilien und den USA getrennt.

"Wir ziehen immer verschiedene Optionen in Betracht", sagte der Manager. Als Haupthindernis für eine Fusion gelten die 15 Milliarden Pfund (knapp 17 Milliarden Euro) schweren Pensionsverpflichtungen von Tata in Großbritannien.

In der Zwischenbilanz fällt der starke Anstieg des Auftragseingangs auf. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 16 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro und der Vorsteuergewinn legte sogar um das Sechsfache auf gut 100 Millionen Euro zu. Nach einer Schwächephase im Vorjahr hat sich der Auftragseingang dort beinahe verdoppelt. Denn mit einem auf nur noch 48 Millionen Euro drastisch geschrumpften Betriebsergebnis bewegte sich die Sparte nach neun Monaten nur noch knapp über der Nulllinie. Der Auftrag für die zum Anlagenbau gehörende Marinesparte liegt damit vorläufig auf Eis. Dabei könnte Thyssenkrupp das europäische Stahlgeschäft behalten und die meisten anderen Aktivitäten abspalten. Die solide Geschäftsentwicklung ändert indes nichts daran, dass Thyssen-Krupp das laufende Jahr voraussichtlich mit einem Nettoverlust abschließen wird. Bezogen auf die ersten neun Monate des Geschäftsjahres weist der Konzern deshalb immer noch einen Fehlbetrag von 721 Millionen Euro aus. Beim Verkauf war eine Wertberichtigung von 900 Millionen Euro notwendig geworden.

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