Abgas-Skandal: Ingenieur belastet Audi-Vorstand

Ingolstadt Vorsprung durch Tricks

Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht nach wie vor keinen Grund, gegen Audi-Chef Rupert Stadler Ermittlungen einzuleiten.

Audi-Chef Stadler hat wiederholt erklärt, er habe von den Softwaremanipulationen nichts gewusst.

Das Papier, das vielen Audi-Managern bis hin zu Vorstandschef Rupert Stadler zum Verhängnis werden könnte, ist 28 Seiten lang und enthält 44 Vorgänge.

Vorstände des Autoherstellers Audi sollen seit 2006 von Abgasproblemen bei Dieselautos gewusst haben. Stattdessen sei dann mittels verbotener Software bei den Emissionswerten geschummelt worden. Das Thema: Die Abgasreinigung mit Harnstoff (AdBlue).

Ingolstadt Vorsprung durch Tricks

Nach Angaben von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll der Konzernvorstand, früher als bisher behauptet, durch E-Mails in Sitzungen und bei Vorträgen über die Abgasprobleme informiert worden sein.

Treffen die Aussagen zu, die der in Stadelheim in Untersuchungshaft sitzende Giovanni P. gemacht hat, dürfte das den Audi-Vorstand in allergrößte Erklärungsnot bringen. Mit dem falschen Versprechen, saubere Autos geliefert zu bekommen. Das Papier, das NDR, WDR und SZ vorliegt, trägt den Namen "Dokumente über Kenntnisse der Vorgesetzten von Herrn P". Sollten sich die Vorwürfe des aussagenden Ingenieurs Giovanni P. bewahrheiten, "wäre Stadler an der Audi-Spitze kaum zu halten", sagte Automobilwirtschaftsforscher Ferdinand Dudenhöffer der Frankfurter Rundschau am Montag. Nicht so bei BMW. Ein Audi-Sprecher wollte sich mit Hinweis auf laufende Verfahren nicht weiter äußern. Von Max Hägler und Klaus Ott mehr.

Die 44 Vorgänge sollen belegen, dass der frühere Audi-Ingenieur Giovanni P. nur ein Rädchen im System gewesen sei. Bereits am 9. Oktober 2006 soll ein führender Motorenentwickler bei Audi mehrere Führungskräfte über das Grundproblem bei AdBlue informiert haben - darunter auch den späteren VW-Chef Winterkorn. Aufgrund des Vortrags sei diesen bereits damals klar gewesen, dass die geplanten AdBlue-Tanks für eine gründliche Abgasreinigung zu klein waren. Unklar ist, ob Deutschland tatsächlich einen anderen europäischen Staatsbürger - P. ist Italiener - an die USA übergeben würde. So steht es in dem Papier gleich auf Seite zwei. Adblue, das war das Zauberwort für die Strategie, den Ausstoß von Stickoxiden zu senken. Adblue ist ein Gemisch aus künstlichem Harnstoff und Wasser, das die Stickoxide neutralisiert. Oder aber man hätte den Kunden zumuten müssen, in kürzeren Abständen selbst die Harnstoffflüssigkeit nachzufüllen, was gerade auf dem US-Markt kaum durchsetzbar gewesen wäre.

Die Vernehmungen von Giovanni P. sei aber noch nicht abgeschlossen, die zuständige Staatsanwaltschaft München II prüfe die Angaben des Ex-Techniker noch, gegen den auch in den USA ermittelt wird und der als eine der Schlüsselfiguren im Abgasskandal gilt. Die Grenzwerte wurden nur bei den Messungen der Behörden auf dem Prüfstand eingehalten. Schließlich hatte der Konzern seine "Clean-Diesel"-Modelle auch damit beworben, es reiche aus, das Adblue im Rahmen der empfohlenen Inspektionen von den Werkstätten auffüllen zu lassen". Vor elf Monaten setzte Audi seinem Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch den Stuhl vor die Tür, weil der Spitzenmanager offenkundig seit Jahren von den Dieselabgas-Manipulationen gewusst hatte. Und am 14. April 2008 sollen zwei langjährige Spitzenmanager des VW-Konzerns, die auch bei Audi zugange waren, verfängliche Mails bekommen haben.

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