Tulpenfieber - Unsere Kritik zum Historienfilm mit Christoph Waltz und Alicia Vikander

Die Ménage-à-trois im Haus Sandvoort wird von der patenten Dienstmagd Maria argwöhnisch beobachtet

Etwas fehlt "Tulpenfieber" aber doch. Die Hintergrundgeschichte dieses Films ist eine irre Tulpenmanie, die ein ganzes Land in die Krise stürzte. Die Niederlande erleben ihr Goldenes Zeitalter, vor allem der Überseehandel hat Reichtum gebracht, und die exotische Blume, die Mitte des 16. Jahrhunderts über Konstantinopel durch Handelsleute ins Land kam, ist ein Zeichen von Wohlstand. Mit dabei sind Judi Dench, Alicia Vikander und Christoph Waltz. Denn Frau und Kind sind bei der Geburt gestorben. Mit dem Waisenmädchen Sophia (Alicia Vikander), das er sich aus einem Kloster als neue Ehefrau geholt hat, hofft er auf baldigen Nachwuchs. Da ist die tolle und doch irgendwie skurrile Besetzung - Zach Galifianakis etwa kennen viele aus amerikanischen Quatschkomödien wie "Hangover"; in einem Kostümwerk dieser Art würde man den Amerikaner weniger verorten. Der kleine Soldat kann ihr gestohlen bleiben. In diesem Jahr aber gelingt es dem US-Amerikaner immer wieder, auf sich aufmerksam zu machen. Eigentlich hätte ich gern mehr zu diesem Thema erfahren.

US-Schauspieler Dane DeHaan (31, "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten") spielt den jungen Maler.

Auf dem Börsenparkett des Tulpenmarktes geht es heiß her.

Dass sich der in historischen Stoffen versierte Tom Stoppard (Shakespeare in Love) der Adaption angenommen und nach fünf Jahren, seit Anna Karenina, wieder für das Kino geschrieben hat, schlägt sich jedenfalls zu Buche: Unaufhaltsam verknüpft Stoppard die zu Beginn noch losen Erzählfäden zu einem Knoten nach dem anderen, wechselt geschickt die Perspektiven - und damit Lebenswelten - und macht zugleich die Magd zur Erzählerin des Geschehens. Nicht nur der Maler, auch der Freund von Sophias Dienstmagd Maria, der Fischhändler Willem, versucht sein Glück mit den Blumen, die besonders viel Geld erzielen, wenn sie nicht einfarbig, sondern "gebrochen" daherkommen. Der historienerprobte britische Filmemacher Justin Chadwick ("Die Schwester der Königin") verliert die vielfältigen Handlungsfäden seiner Geschichte über der Opulenz seiner schönen Dekors aus den Augen. Dass der arme Maler und Sophia schon bald feurige Blicke austauschen, entgeht dem Kaufmann ebenso wie das erste Geheimtreffen des jungen Liebespaares.

Die unglückliche Sophia, die ohnehin in den jungen Porträtmaler Jan Van Loos (Dane DeHaan) verliebt ist, schmiedet daraufhin einen perfiden Plan: Die schwangere, aber unverheiratete Küchenmagd Maria (Holliday Granger) soll ihr Neugeborenes hergeben und wird dafür nicht entlassen. Ein Spiel mit dem Feuer, alles oder nichts. In der Folge brechen die Preise dramatisch ein; es kommt zum "Tulpenzwiebelcrash", dem ersten überlieferten Zusammenbruch einer Börse.

Man kann im Ausstattungs- und Kostümreichtum dieses gekonnt fotografierten Kinowerks schwelgen wie in einem Kabinett voller alter niederländischer Meister.

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