EZB-Chef Draghi: Schwankender Eurokurs sorgt für Unsicherheit

EZB-Präsident Mario Draghi

Frankfurt/Main. Die Europäische Zentralbank (EZB) verändert ihren geldpolitischen Kurs vorerst nicht - trotz zunehmender Forderungen nach einem Einstieg in den Ausstieg aus der Geldflut.

"Wir sind in der Phase, wo wir beginnen darüber nachzudenken, was wir nächstes Jahr tun werden", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. "Die EZB sollte auf ihrer Sitzung ein entsprechendes Signal senden, damit sich die Finanzmärkte darauf einstellen können".

Die EZB hatte den zentralen Zinssatz im März 2016 auf den historisch niedrigen Wert von 0,0 Prozent gesenkt, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation anzukurbeln.

Die Währungshüter behalten zudem die Strafzinsen für Banken auf dem bisherigen Niveau.

Noch bis mindestens Ende Dezember 2017 steckt die EZB Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Maßgeblich ist auch die wirtschaftliche Entwicklung. Die EZB strebt knapp zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. Noch im Juni wurden 1,9 Prozent prognostiziert.

Selbst die EZB traut dem Währungsraum für das laufende Jahr nun ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2,2 (Juni-Prognose: 1,9) Prozent zu. Die EZB hält sich weiterhin auch die Möglichkeit einer Anhebung des Volumens ihrer milliardenschweren monatlichen Wertpapierkäufe offen. Zusätzlich ist der derzeit starke Euro ein Risiko. "Die aktuelle Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte Draghi in ungewohnt deutlicher Form. Deshalb müsse genau beobachtet werden, wie sich die Preise entwickelten.

Mit dem Entscheid der EZB sind auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiter die Hände gebunden. Obwohl eine "verbale Vorbereitung des Ausstiegs aus den Anleihekäufen dringend geboten" sei, werde auch der Hinweis auf eine mögliche Ausweitung des Kaufprogramms beibehalten.

Erschwert wird das weitere Vorgehen der EZB durch die jüngste Aufwertung des Euro: Das Erstarken der Gemeinschaftswährung verteuert Produkte europäischer Firmen auf den Weltmärkten tendenziell. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, übte ebenfalls Kritik: Die EZB sollte die jüngste Wechselkursentwicklung "nicht überbewerten", forderte er. Die EZB bleibe sowohl den Sparern als auch den Märkten "Klarheit schuldig".

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