Studie: Airbnb entzieht Wohnungen dauerhaft

Airbnb wird für immer mehr Städte zum Problem

Bei der Gegenrechnung Airbnb vs. klassische Vermietung sehen insbesondere Wohnungsbesitzer kleinerer Wohnungen klare finanzielle Vorteile.

Angesichts der Rentabilität überrascht es nicht, dass Eigentümer ihre Wohnungen in einer Touristen-Stadt wie Wien dauerhaft zur Verfügung stellen wollen. Von der Airbnb-Grundidee, dass Privatpersonen ein zusätzliches Zimmer günstig vermieten und Touristen vom persönlichen Kontakt zu ihren Gastgeben profitieren, sei die heutige Praxis weit entfernt, so die Studie.

Das Gros machen mit etwa 70 Prozent Wohnungen aus. Gegenüber wien.orf.at beruhigte er besorgte Gemüter: Von 900.000 Wohnungen gäbe es 2.000 Wohnungen, die Wien dauerhaft als möglicher Wohnraum entzogen werden.

"Auch ganze Häuser oder substanzielle Teile davon werden in Airbnb-Unterkünfte umgewandelt", sagte Seidl zur APA. "Der 'Sharing Gedanke' wird weiter nach außen kommuniziert, da dies das Alleinstellungsmerkmal von Airbnb ist", so der Wissenschafter. Der "Sharing-Gedanke" werde aber weiter kommunziert, obwohl die Angebote mittlerweile zu einem beträchtlichen Teil gewerblich orientiert seien. Zwar bieten nur 17% der Vermieter mehr als eine Unterkunft an, doch diese Anbieter vereinen rund 38% der Angebote auf sich. Das entspricht rund zehn Prozent des gesamten Wiener Nächtigungsumsatzes. Die 0,4 Prozent der Anbieter mit den höchsten Einkommen nähmen monatlich jeder mindestens 13.500 Euro ein, einzelne Anbieter kämen sogar auf Airbnb-Einnahmen von 60.000 Euro.

Das Angebot konzentriere sich stark auf den ersten Bezirk, aber auch auf immobilienwirtschaftlich bereits aufgewertete Standorte im zweiten, vierten oder siebten Bezirk. "Also jene Gebiete, in denen der Wohnungsmarkt ohnehin bereits sehr angespannt ist", so Studienleiter Roman Seidl. Hausbewohner würden plötzlich in einem Hotel wiederfinden, Konflikte entzündeten sich am Lärm, an höheren Betriebskosten und dem Umgang mit Müll. Viele Wohnungen sind außerdem dauerhafte Ferienunterkünfte. Eine Möglichkeit seien etwa Beschränkungen, wie viele Tage man eine private Wohnung an Touristen vermieten könne - oder die Einführung einer Lizenz. "Bisher gewährt Airbnb aber leider keinen Zugang zu diesen Daten", so der Experte. "Der mittlere Vermieter vermietet nur einen Tag pro Woche - aber es gibt wenige, die viel vermieten und viele die wenig vermieten". "Nach unseren Berechnungen werden dem Wohnungsmarkt in Wien - nach konservativer Schätzung - ungefähr 2000 Wohnungen durch Airbnb dauerhaft entzogen", sagt Roman Seidl. Mit einigen Plattformen, darunter auch Airbnb, stand man zuletzt immer noch in Verhandlung, wie die verpflichtende Bezahlung der Ortstaxe abgewickelt werden könnte. Seit der Gründung ist die Zahl der über den Online-Dienst vermittelten Angebote in vielen Städten stark gestiegen.

Studienleiter Seidl betont, dass die Situation nicht durchsichtig ist, weil Airbnb wichtige Daten nicht herausgibt.

Insgesamt betragen die Einnahmen in Wien laut der Studie 81 Millionen Euro jährlich. In einer Studie hat die TU untersucht, wie sich boomende Buchungsplattformen wie Airbnb auf den Wohnungsmarkt in Wien auswirken. Damit können Airbnb-Wohnungen zu einem Motor von Gentrifizierung und Verdrängung aus zentralen Lagen werden.

Die Ergebnisse der am Mittwoch veröffentlichten Analyse zu den Auswirkungen der Vermittlung von Privatunterkünften auf die Wiener Stadtentwicklung stünden der Einschätzung von "Experten auf der ganzen Welt" entgegen, "dass Airbnb keinen Einfluss auf den Wohnungsmarkt hat".

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