Syrerin erleidet bei Rüchschaffung Totgeburt: Keine Hilfe erhalten

Der im Zusammenhang mit der Totgeburt einer Syrerin angeklagte Grenzwächter äusserte sich am Donnerstag in Bern vor dem Militärgericht

Am Mittwoch begann jetzt nach dreijährigen Ermittlungen der Prozess vor einem Militärgericht in Bern.

So bezeichnete der Boulevard die Geschichte, welche die Schweiz im Sommer 2014 beschäftigte. Es ging um eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien und darum, dass die Schweizer Grenzwache sich nicht genug um sie kümmerte, sondern nur so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Wie die "NZZ am Sonntag" im November vergangenen Jahres berichtete, gibt der Obduktionsbericht des Spitals in Domodossola an, dass das ungeborene Kind weniger als zwölf Stunden vor der eigentlichen Totgeburt gestorben sei. Weil die Angehörigen des Grenzwachtkorps dem Militärstrafrecht unterstehen, befasst sich nun die Militärjustiz mit dem Fall.

Die syrische Grossfamilie sass an einem Tag Anfang Juli im Nachtzug, der von Mailand durch die Schweiz nach Paris fährt. Er habe die Rückführung nach Italien durchziehen wollen. An der schweizerisch-französischen Grenze wurde die Gruppe gestoppt. Schweizer Grenzwächter fahren sie in Kleinbussen nach Brig zurück, von wo aus sie später ins italienische Domodossola zurückkehren sollen.

Zur Flüchtlingsgruppe gehört eine damals 22-jährige Frau, sie reist mit ihrem Mann, den drei Kindern und weiteren Familienmitgliedern.

Einer Frau im achten Monat könne man eine Schwangerschaft ansehen. Ein medizinischer Gutachter kam zu dem Schluss: Wenn eine hochschwangere Frau über starke Schmerzen und Blutungen klage, "muss man reagieren". Der Ehemann benachrichtigte umgehend die Grenzwächter und forderte diese mehrmals und eindringlich auf, sofort medizinische Hilfe anzufordern. Die Syrer werden schliesslich in einen Zug zurück über die Grenze gebracht. Als die Frau in Domodossola ankam, liefern sie die italienschen Behörden sofort in ein Krankenhaus ein, doch es ist zu spät. Dort kam das Kind, ein Mädchen, tot zur Welt. Ab Mittwoch muss sich der zuständige Grenzwächter vor dem Militärgericht verantworten. Der Auditor, der militärische Staatsanwalt, wirft ihm vor, für den Tod des ungeborenen Kindes verantwortlich zu sein, weil er keine medizinische Hilfe holte. Es ist ein überaus komplexer und aussergewöhnlicher Fall, sowohl aus juristischer wie auch aus medizinischer Sicht. Drei Jahre nahmen allein die Vorarbeiten in Anspruch, für das Rechts- und das medizinische Gutachten etwa. Für die Verhandlung sind drei Tage eingeplant. Nicht nur weil der Fall in der Öffentlichkeit viel Betroffenheit ausgelöst hat, sondern auch weil der Anklageschrift drei verschiedene Varianten zugrunde liegen. "Die zentrale Frage lautet, ob und wann das Leben des Fötus begonnen hat", sagt er. Im strafrechtlichen Sinn fängt es mit dem Einsetzen der Eröffnungswehen an. "Das Wort versteht man doch in allen Sprachen", sagte der Ehemann. Die Antworten entscheiden mit darüber, was dem Grenzwächter zur Last gelegt werden kann. Sollte das Militärgericht zu der Auffassung gelangen, dass das Kind hätte gerettet werden können, droht dem Mann eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Sie geht davon aus, dass das ungeborene Kind noch lebte, als die Mutter in Brig angekommen ist, und dass dort die Eröffnungswehen einsetzten.

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