Warum viele Todesfälle bei Krebs-OPs vermeidbar wären

Doctors and medical staff work during a knee prosthesis surgery in an operation room at the hospital of the Canton of Ni

Krebspatienten sterben in Deutschland häufig zu früh, weil sie in einer wenig erfahrenen Klinik operiert wurden.

Spezialisierte Kliniken, die viele Krebs-OPs durchführen, haben höhere Erfolgsquoten.

Danach liegt die Sterblichkeitsrate in spezialisierten Lungenkrebszentren, die mindestens 75 Lungenkrebs-OPs pro Jahr durchführen, bei 2,5 Prozent. Das Problem seien die vielen Kliniken am anderen Ende des Spektrums: "Das sind in der Regel allgemeinchirurgische Abteilungen, die nur gelegentlich Thoraxchirurgie betreiben". Viele der 410 IQM-Kliniken, die sich freiwillig für mehr Versorgungsqualität engagieren, seien die Themen Mindestmengen und Zentrenbildung schon lange vor der Ankündigung regulatorischer Eingriffe angegangen. In diesen Häusern fehlten Routine und die notwenigen Spezialisierungen, klagte Mansky. Diese "Gelegenheitschirurgie" sei nicht akzeptabel, kritisiert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, bei der Vorstellung des "Qualitätsmonitors".

Die Durchsetzung von Mindestmengen und Zentralisierung von Leistungen sei für Kliniken nicht einfach und ein "schmerzhafter Prozess", der aber angesichts der eindeutigen Datenlage "absolut folgerichtig" sei, betont Prof. Laut WIdO-Analyse würde etwa eine Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr die Sterblichkeitsrate infolge von Lungenkrebs-Operationen um 20 Prozent senken. Sie werden laut AOK jedoch kaum eingehalten. Die Krankenkasse will deshalb nun im Gemeinsamen Bundesausschuss Mindestmengen für Lungen- und Brustkrebs-Operationen fordern und sich dafür einsetzen, dass die bereits bestehenden Mindestzahlen an Operationen bei Speiseröhren- und Pankreaskrebs erhöht werden. Außerdem drohte Litsch den Kliniken: Die AOK werde Operationen künftig nicht mehr bezahlen, wenn die durchführenden Krankenhäuser sich nicht an die vorgeschriebenen Mindestmengen halten, sagte er.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte umgehend und nannte die WIdO-Untersuchung unseriös. "Statt Effekthascherei mit Angstbotschaften in die Bevölkerung zu senden, sollten die Ortskrankenkassen aufhören, die Entwicklung von Zentren weiter zu blockieren", so DKG-Chef Georg Baum. Bei der Weiterentwicklung der IQM-Qualitätsindikatoren habe man Informationen über Mindestfallzahlen, die Breite des Leistungsangebotes und die Leistungsmengen berücksichtigt. Neben den Lungenkrebs-OPs stehen in diesem Jahr die Versorgung von Frühgeborenen, die Geburtshilfe sowie die Implantation von Knie- und Hüftgelenks-Endoprothesen im Fokus. "Die Krankenhausplaner der Länder bekommen mit dem Qualitätsmonitor einen hilfreichen Werkzeugkasten in die Hand".

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