Attentäter Amri stärker überwacht als bekannt

Attentäter Amri stärker überwacht als bekannt

Polizei und Geheimdienste haben den Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, den Tunesier Anis Amri, viel früher und intensiver überwacht, beschattet und abgehört als bislang bekannt, schreibt die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Akten, V-Mann-Berichte und Protokolle von Telefon- und Internetüberwachungen.

Von Anfang Dezember 2015 an seien dann die Mobiltelefone Anis Amris "rund um die Uhr" überwacht worden. Spätestens seit November 2015 ließ die Bundesanwaltschaft demnach den Tunesier vom Bundeskriminalamt und vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen überwachen. Von dort erreichten die Informationen auch das BKA, den Generalbundesanwalt und den Verfassungsschutz.

Dezember 2015 habe Amri mit seinem überwachten Smartphone detaillierte Anleitungen zum Mischen von Sprengstoff sowie zum Bau von Bomben und Handgranaten heruntergeladen, so das Blatt.

Mithilfe des Polizeispitzels "VP01" gelang es den Staatsschützern noch im selben Monat, in die zusätzliche, verschlüsselte Chat-Kommunikation Amris mit den IS-Kadern in den Messenger-Diensten Telegram und WhatsApp einzudringen.

Der Welt am Sonntag liegt nach eigenen Angaben außerdem eine zweiseitige Analyse über Anis Amri vor, die im Januar 2016 verfasst wurde und von Verfassungsschutz-Chef Maaßen persönlich unterschrieben wurde.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte offenbar für Amri eine eigene Sachbearbeiterin eingesetzt. Sie befindet sich auf demselben Gelände wie die für Amri ebenfalls zuständige Staatsschutzabteilung 33 des BKA.

Der Grund, warum Anis Amri trotz dieser frühen und erdrückenden Erkenntnisse der deutschen Ermittlungsbehörden und der Nachrichtendienste nicht bereits ein Jahr vor dem Anschlag in Berlin verhaftet wurde, geht aus den vorliegenden Akten nicht hervor.

Nachweislich erfuhren auch BKA und Bundesanwaltschaft spätestens im März 2016 von diesen familiären Beziehungen Amris zum Islamischen Staat, als sie ein Telefongespräch Amris abhörten, in dem dieser vom Tod eines Cousins im Kampf für den IS berichtete.

In diesem Jahr haben deutsche Sicherheitsbehörden nach Angaben de Maizières bereits drei Terroranschläge verhindert - "also drei Anschläge, bei denen die Vorbereitung schon so weit gediehen war, dass man von einer echten Vorbereitung und nicht nur von einer Idee sprechen kann", wie er der "Bild am Sonntag" sagte. Die Recherchen der "WamS" belegen demnach ferner, dass Amri schon vor seiner Ankunft in Italien im April 2011 enge persönliche und familiäre Verbindungen zu Kämpfern und Führungsleuten des IS in Libyen gehabt habe.

Die mehrmonatigen Recherchen der Zeitung legen eine Verwicklung internationaler Geheimdienste nahe.

Diese dürften in Amri einen Lockvogel gesehen haben, der sie zu seinen Hintermännern, den Anschlagsplanern des IS in Libyen führen sollte.

Angeblich habe man ihn verloren, als er sich auf den Weg nach Deutschland machte. Der 24-jährige flüchtige Attentäter wurde wenige Tage später in Mailand von der Polizei erschossen. Auch Hans-Christian Ströbele, Mitglied des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, vermutet die "ordnende Hand" eines US-Geheimdienstes. Am Dienstag, genau ein Jahr nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz, nehmen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Merkel an einer religionsübergreifenden Andacht in der Gedächtniskirche nahe dem Tatort teil.

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