Neuer Tuberkulosekeim bei Flüchtlingen entdeckt

UZH: Neuer resistenter Tuberkulose-Erreger entdeckt

Der Keim wurde 2016 an insgesamt acht afrikanischen Flüchtlingen nachgewiesen. Aussergewöhnlich war das Mycobacterium tuberculosis eines somalischen Asylbewerbers aus dem Empfangszentrum in Chiasso im Februar 2016: "Der Erreger wies eine neuartige Kombination von Resistenzen gegen vier verschiedene Antibiotika auf, die noch nie beschrieben worden war", sagt Peter Keller, Leiter Diagnostik des NZM, der den Keim identifiziert hat. Im Laufe des Jahres kamen in ganz Europa sieben weitere Fälle hinzu - alle bei Flüchtlingen, die aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa migrierten. Gleichzeitig diagnostizierte das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger. Daraufhin wurde ein europaweites Alarmsystem aufgebaut.

Ursprungsort Somalia Dank molekulargenetischer Untersuchungen und Interviews mit Patienten konnte der Verbreitungsweg des Erregers schließlich rekonstruiert werden: Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Tuberkuloseerreger in einem libyschen Flüchtlingscamp bei Bani Waleed unter Migranten verbreitete. Auch diese Patienten stammten wie die Schweizer Fälle aus dem Horn von Afrika oder dem Sudan.

Zur Behandlung der Multiresistenz ist die Isolierung von Betroffenen und eine mehrmonatige, intravenöse Behandlung mit Medikamenten im Spital nötig. Dadurch sei eine weitere Ausbreitung des Erregers verhindert worden, schreiben die Studienautoren weiter. "Der außerordentliche Fall hat zum Aufbau einer europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger geführt", berichtet Keller.

Das überfüllte Lager rund 180 Kilometer südöstlich von Tripolis sei berüchtigt für seine unhygienischen Verhältnisse. Etliche der diagnostizierten Patienten passierten das Camp auf ihrem Weg nach Norden.

Weil sein genetischer Bauplan bekannt ist, ist inzwischen zudem ein Schnelltest für den Erreger verfügbar. Somit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innert Stunden diagnostiziert werden.

Related:

Comments

Latest news

Regierung will keine Ölförderung vor Florida
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wollte ursprünglich fast die gesamte Küste der USA für die Energieförderung freigeben. Dies stiess auf Kritik in betroffenen Bundesstaaten, von Umweltschützern und in der Tourismusbranche.

Hochwasser an Rhein und Mosel geht wieder zurück
"Wir beginnen heute damit, einige Stege und Hochwasserschutzwände abzubauen", sagte eine Sprecherin der Koblenzer Feuerwehr. Nach mehrtägiger Zwangspause wegen Hochwassers läuft die Schifffahrt auf dem deutschen Teil der Mosel langsam wieder an.

VW-Kernmarke führt neues Vorstandsressort E-Mobilität ein
Seit April 2014 ist er Vorstand für Produktion und Logistik der Marke Volkswagen. Tostmann sei Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeite seit 1990 bei Volkswagen.

Thailändischer Premier weicht Journalisten mithilfe seiner eigenen Pappfigur aus
Im April stimmte das Land über eine neue Verfassung und eine Änderung des Wahlsystems ab. Chan-ocha führte 2014 einen Militärcoup an und wurde später zum Regierungschef ernannt.

Sachsen: Kind (1) stürzt in Bach - tot!
Umfangreiche Suchmaßnahmen von Landes- und Bundespolizei sowie mehrerer freiwilliger Feuerwehren liefen unverzüglich an. Am Montagnachmittag wurde die Polizei nach eigenen Angaben darüber informiert, dass die Mutter ihr Kleinkind vermisst.

Other news