Niels H.: Staatsanwaltschaft klagt erneut

Josef Friedel

Wegen sechs Morden ist der frühere Krankenpfleger Niels H. schon zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft nahm der Angeschuldigte Niels H. dabei in allen Fällen das Versterben der Patienten aufgrund der Wirkungen der Medikamente zumindest billigend in Kauf. "Das tat er, um seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren zu können und um seine Langeweile zu bekämpfen", so die Staatsanwaltschaft.

Bei seinen Taten nutzte Högel die Medikamente Kalium, Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex (Wirkstoff Sotalol), Xylocain (Wirkstoff Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff Amiodaron). Um diese Fälle geht es in der neuen Anklage. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, da zahlreiche mögliche Opfer nach ihrem Tod eingeäschert wurden und somit keine toxikologische Untersuchung mehr möglich ist. Nach den umfangreichen Ermittlungen der Sonderkommission "Kardio" und nach Abschluss der letzten noch offenen toxikologischen Untersuchungen werden Högel nun weitere 62 Taten in seiner Zeit in Delmenhorst und 35 Taten während seiner Zeit am Klinikum Oldenburg zur Last gelegt. Er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Klinikums Oldenburg dauern noch an. Am Strafmaß wird der jetzt anstehende weitere Prozess nichts ändern.

Die Frage, ob Klinikmitarbeiter Morde hätten verhindern können, beschäftigt ebenfalls die Justiz. Gegen drei ehemalige Kollegen vom Klinikum Delmenhorst wurde bereits Anklage wegen Totschlags durch Unterlassung erhoben.

Von 1999 bis 2002 arbeitete Niels Högel am Klinikum in Oldenburg. Nachdem Kollegen ein ungutes Gefühl beschlich, wurde Högel mit einem positiven Arbeitszeugnis und ohne Warnung ans Klinikum nach Delmenhorst weggelobt. Als versiertem Rettungssanitäter war ihm auch bewusst, führt die Staatsanwaltschaft aus, dass die von ihm eingesetzten Medikamente bei den Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern sowie Blutdruckabfall auslösen konnten - und sie reanimiert werden mussten.

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