Frühjahrsputz steigert Risiko für Hanta-Viren-Infektion

Krank durch Frühjahrsputz?

Auch in Österreich sind die Erkrankungsfälle in den vergangenen Jahren angestiegen.

Wer beim Frühjahrsputz Staub einatmet, setzt sich in manchen Gebieten Deutschlands einem erhöhten Infektionsrisiko durch Hanta-Viren aus. Denn die Mäuse, die am Waldrand leben, hinterlassen nicht nur Nagespuren, sondern auch Ausscheidungen, die mit dem in Europa verbreiteten Puumala-Virus (ein Hanta-Virus) kontaminiert sein können, und über Staub aufgenommen werden.

Wenn das kein Grund für einen sehr zurückhaltenden Umgang mit Staubsauger, Besen und Wischmopp ist: Forscher der Uni Frankfurt haben jetzt einen Zusammenhang zwischen dem Frühjahrsputz und dem Infektionsrisiko durch Hanta-Viren festgestellt. Die Maus selbst erkranke dabei nicht, könne aber die Erreger auf verschiedenem Weg an Menschen weitergeben. In den meisten Fällen ist das durch die Rötelmaus (Myodes glareolus) übertragene Puumala-Virus (PUUV) die Ursache. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Kopf- und Muskelschmerzen sowie abruptem Fieber, das drei bis vier Tage anhält und zu Blutungen führen kann. In Deutschland wurden Infektionen mit Hanta-Viren Mitte der 1980er Jahre bekannt. "Auch durch Kot, Urin oder erregerhaltige Aerosole, die beispielsweise während Reinigungsarbeiten in der Land- und Forstwirtschaft aufgewirbelt und eingeatmet werden, kann es zur Infektion kommen", erläutert Prof. Besonders viele Puumala-Virus-Infektionen sind laut Aussage der Wissenschaftler in Baden-Württemberg und angrenzenden Gebieten in Bayern und Nordrhein-Westfalen festzustellen, während in Nordostdeutschland nur wenige PUUV-Virus-Fälle auftreten. Sven Klimpel von Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität nun versucht, räumliche, zeitliche und saisonale Muster für das Auftreten der Infektion zu identifizieren. Und: In großen Städten und Ballungsgebieten (Berlin, Stuttgart, Bonn) ist die Zahl der PUUV-Infektionen pro 100.000 Einwohner tendenziell höher als in ländlichen Gebieten. Während die räumlichen Muster über die letzten 15 Jahre ähnlich geblieben sind, gab es starke zeitliche Schwankungen: So war die Zahl der gemeldeten PUUV-Infektionen in den Jahren 2007, 2010 und 2012 besonders hoch.

Als wichtigste Faktoren für die Rötelmausdichte konnten die Wissenschafter die Landnutzung (insbesondere der Waldanteil), klimatische Verhältnisse (kalte Winter) und das Nahrungsangebot identifiziern. Jahre, in denen Buche, Eiche und Kastanie besonders viele Früchte produzieren (Mastjahre), bedeuten ein reiches Nahrungsangebot für den Krankheitsüberträger. Ergo konnten sich die Mäuse stärker vermehren und somit mehr Menschen infizieren.

In ihren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass den infektionsreichen Jahren 2007, 2010 und 2012 tatsächlich jeweils entsprechende Mastjahre vorausgingen. Bei dem Mastjahr 2014 sei anschließend allerdings nur ein leichter Anstieg der humanen Puumala-Virus-Infektionen zu beobachten gewesen, berichten die Wissenschaftler. Das Ergebnis: Erhöhte Gefahr droht im Frühsommer und in waldreichen Gebieten sowie nach "fetten Jahren" für die Rötelmaus. "Durch den Klimawandel, der häufigere Mastjahre und mildere Winter mit sich bringt, könnte die Zahl der Puumala-Virus-Infektionen aber künftig ansteigen".

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