Neuer Einigungsversuch im Tarifstreit der Metaller

Ein Gewerkschafter trägt bei einer Kundgebung eine IG Metall Fahne. Im Tarifkonflikt der Metall und Elektroindustrie hoffen Gewerkschaftsvertreter auf eine Einigung

Dieses Rückkehrrecht ist wichtig, damit die Beschäftigten nicht in der "Teilzeitfalle "hängen". Dafür dürfen Betriebe mit mehr Beschäftigten als zuvor 40-Stunden-Verträge schließen.

In der Metall- und Elektroindustrie von Baden-Württemberg haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf einen Tarifabschluss geeinigt. Beide Seiten feiern den Kompromiss. Neben der allgemeinen Teilzeitmöglichkeit mit vollem Rückkehrrecht in Vollzeit vereinbarten die Tarifpartner kräftige Lohnsteigerungen und Sonderregeln für Beschäftigte in besonderen Lebenslagen.

"Wir haben um jedes Detail hart gerungen", bilanzierte auch IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger.
Hinzu kommt von 2019 an ein neues tarifliches Zusatzgeld. Letzterer - das haben die Arbeitgeber durchgesetzt - kann in wirtschaftlich schweren Zeiten gesenkt oder gestrichen werden. Dieses ermögliche Beschäftigten einerseits einen Anspruch auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden.

Vor diesem Hintergrund ist der Tarifabschluss nicht nur der Einstieg in eine neue Arbeitszeitwelt, sondern auch ein fairer Kompromiss: Denn die Arbeitgeber erhalten im Gegenzug für das Recht auf eine 28-Stunden-Woche die Chance, mit mehr Beschäftigten 40-Stunden-Verträge zu schließen.

Beim beherrschenden Thema dieser Tarifrunde, den Arbeitszeiten, hat die IG Metall jedoch einen hohen Preis bezahlt. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Wolf, sagte, die Vier vor dem Komma schmerze. Und auch die Lohnerhöhung von 4,3 Prozent werden die Unternehmen verkraften, zumal sie durch die Laufzeit von 27 Monaten nun sehr lange Planungssicherheit haben. Gerate ein Arbeitnehmer in Not, habe er nun ein Anrecht darauf, dass der Betrieb ihn durch das Modell Geld gegen Freizeit in der Reduzierung seiner Arbeitszeit unterstützt. Die Arbeitszeit läge dann zwischen 28 und 35 Stunden pro Woche und müsste mit einem Lohnausgleich verbunden sein.

Auch ein besonders strittiger Punkt wurde geklärt: die Forderung der IG Metall, dass Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder einen Zuschuss für entgangenen Lohn erhalten sollen.

Ist der Eindruck richtig, dass es bei dieser Tarifauseinandersetzung auch um Sozialpolitik ging?

Jörg Schlagbauer, der Leiter des Vertrauenskörpers und damit oberster IG Metaller bei Audi, zeigt sich mit den in der Nacht zum Dienstag ausgehandelten Vereinbarungen sehr zufrieden.

Mit der Wahlmöglichkeit zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit ab 2019 hätten die Arbeitgeber auch "die ursprüngliche Zuschussforderung der IG Metall, die wir aus rechtlichen Gründen gar nicht erfüllen konnten, vom Tisch bekommen", sagte Wolf.

Die Bundesvorstände der Tarifparteien lobten die Lösungen. Über die hätte es angesichts der hervorragenden wirtschaftlichen Lage der Branche wohl schnell eine Verständigung gegeben. Allerdings ist bei nachweislichem Fachkräftemangel auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung eine Anhebung der Quote auf 30 unter bestimmten Bedingungen sogar auf 50 Prozent möglich. IG-Metall-Chef Hofmann wertete den Abschluss als "Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt".

Brossardt: Im Fokus stand die Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Dulger kritisierte, dass nicht schon in der fünften Runde ein Abschluss gelang.

Related:

Comments

Latest news

US-Armee bombardiert Pro-Assad-Kämpfer
Die Assad nahestehenden Truppen seien in großer Formation, begleitet von Artillerie, auf das Hauptquartier vorgerückt. Bei dem US-Luftangriff auf die regierungsnahen Kräfte habe es sich um eine Verteidigungsmaßnahme gehandelt.

DEB-Trainer Sturm verlängert bis 2022 - Goc ist Kapitän
Der 39 Jahre alte deutsche NHL-Rekordspieler bleibt bis 2022 Coach und Generalmanager, wie der DEB am Montag mitteilte. Assistenten sind Fahnenträger-Kandidat Christian Ehrhoff sowie die Stürmer Marcus Kink und Patrick Hager.

Konzernumbau belastet: Gewinn der Commerzbank bricht ein
Der Haken dabei: Erst nach eineinhalb Jahren, so die Rechnung der Commerzbank , wirft ein neuer Kunde unter dem Strich Geld ab. Der Profit in 2017 lässt sich allerdings nicht wirklich auf die Neustrukturierung der Bank zurückführen.

Nordkorea: Keine Gespräche mit USA
Die beiden Staaten wollen dies nutzen, um den innerkoreanischen Dialog wieder aufzunehmen und voranzubringen. Bislang waren wirksame Sanktionen an der Weigerung Chinas gescheitert, sich einem Öl-Embargo anzuschließen.

Nintendo Classic Mini
Die große Beliebtheit der Konsole verdeutlicht, dass Menschen auch heutzutage noch Spaß an Retrospielen haben. Hoffentlich kommt bald auch eine neue SNES und andere Konsolen wie die N64 oder die PlayStation 1 wieder auf den Markt.

Other news