Journalist hat nach Medienberichten Türkei verlassen

Der Eingang des Silivri Gefängnisses. Deniz Yücel konnte es am Freitag verlassen. Drei andere Journalisten wurden währenddessen jedoch zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt

Der deutsch-türkische Journalist Yücel war am Freitag nach 367 Tagen Haft in einem türkischen Gefängnis freigelassen worden. Zuvor war der "Welt"-Korrespondent formal angeklagt worden". Das beweist, ebenso wie die Verurteilung von drei türkischen Journalisten zu lebenslanger Haft am selben Tag: Es gibt in der Türkei keine Pressefreiheit. "Es gab keine Deals", versichert Außenminister Sigmar Gabriel. Er werde "dieses Gefängnis nicht durch eine Hintertür verlassen, sondern durch jene Vordertür, durch die ich es betreten habe", wie er in der "Welt" schrieb.

Das berichten die Deutsche Presse-Agentur und Agence France Presse. Zuvor hatte das Auswärtige Amt die Nachrichten aus der Türkei bestätigt. Die türkische Regierung habe großen Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Justiz in ihrem Land genommen, sondern lediglich dem deutschen Wunsch nach Verfahrensbeschleunigung nachgekommen sei. Teil der im geheimen geführten Verhandlungen sei auch ein Treffen des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder mit Erdogan im Jänner gewesen. Nachdem Schröder vermittelt hatte, kam im vergangenen Oktober der Menschenrechtler Peter Steudtner frei. Stattdessen forderte er von Anfang an einen fairen Prozess, der nach seiner Überzeugung gar nicht anders als mit einem Freispruch enden könne. Eine solche Modernisierung wünscht sich die Türkei auch für die deutschen "Leopard 2"-Panzer in ihren Beständen - die derzeit bei der Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien eingesetzt werden". Yücel hat auch für sie gekämpft, als er sagte, für schmutzige Deals stehe er nicht zur Verfügung. "Wir haben eine Vertrauensgrundlage geschaffen, in der das möglich ist. Wir sollten jetzt nicht nachlassen".

"Endlich hat das Gericht die Freilassung meines Mandanten beschlossen", twitterte Yücels Anwalt. Begleitet wurde er von seiner Frau Dilek Mayatürk. Laut AFP wurde Yücel von Istanbul aus an Bord einer deutschen Regierungsmaschine ausgeflogen. Anschließend kehrte der 44-Jährige zunächst mit seiner Frau in seine Istanbuler Wohnung zurück. Der Deutsch-Türke Yücel sass ein Jahr lang unschuldig im Gefängnis. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, das 32. Strafgericht in Istanbul habe Yücels Freilassung angeordnet, zugleich aber die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft angenommen.

Allmählich verstand die türkische Regierung, dass Yücel nicht zum Faustpfand taugt. "Die beste Nachricht des Tages", kommentierte der CDU-Kommunalpolitiker Marcus Reif die Freilassung Yücels. Der Journalist beklagt die Umstände seiner Freilassung und dankt seinen Unterstützern. Anlass für die Festnahme war ein Interview mit einem hochrangigen Mitglied der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die die Türkei als Terrororganisation einstuft. Yücel und die Bundesregierung hatten die Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

Hat er für Yücels Freilassung gesorgt? Vor allem die markige Rhetorik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erwies sich als großes Hindernis auf dem Weg zu einer Lösung. Mit der Freilassung Yücels hofft Antenbrink auch darauf, dass sich die Beziehungen zur Türkei, die etwa durch die Partnerschaft Flörsheims mit Güzelbahce geprägt werden, wieder normalisieren. Weder Berlin noch Brüssel sollten sich in dieser Frage blenden lassen.

Dem Vernehmen nach war die Freilassung Yücels für den Donnerstag geplant, zum Zeitpunkt des Deutschland-Besuchs von Yildirim. Wegen anderer in der Türkei inhaftierter Journalisten bleibe aber "ein bitterer Nachgeschmack".

Nach seiner Freilassung darf der Westen die anderen Opfer Erdogans nicht vergessen. Yücel sei "ein freiheitsliebender Mensch, ein Journalist und kein Terrorist".

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