SRG kündigt Sparmassnahmen und Verzicht auf Unterbrecherwerbung an

Wie weiter nach No Billag? Gebühren sollen auf 300 Franken sinken

Wäre die "No Billag"-Initiative angenommen worden, hätte der öffentlich-rechtliche Rundfunk womöglich zerschlagen werden müssen". Nach der intensiven Gebühren-Debatte wollen Schweizer Radio und Fernsehen ihr Angebot anpassen.

Für die SRG-Spitze ist das deutliche Nein zur No-Billag-Initiative nicht nur eine Bestätigung, sondern auch ein Neuanfang. Das Resultat sei zudem für die regionalen Radio- und Fernsehstationen erfreulich. Bei der SRG wird man angesichts dieses Ergebnisses erst einmal aufgeatmet haben. SRG-Generaldirektor Gilles Marchand hat daher noch am Sonntag ein umfassendes Reformpaket angekündigt. "Wir wollen die Rückmeldungen aus der Gesellschaft einfliessen lassen - sowohl die ermutigenden als auch die kritischen". Man wolle überall reformieren, wo es gehe, und den Dialog vertiefen. Insgesamt sollen Sparmassnahmen in der Höhe von 100 Millionen Franken umgesetzt werden. Der Effizienz- und Reinvestitionsplan umfasst die Infrastruktur, die Verwaltung, die Technik, die Immobilien, die Produktionsprozesse wie auch die Distribution.

- Die SRG erachtet es als Kern ihres Auftrags, eine ausgewogene, unabhängige Information in den vier Sprachregionen sicherzustellen: 50 Prozent der Gebühreneinnahmen werden im Programm für die Information aufgewendet.

Zusätzlich setze sie in Zukunft auf die Verbesserung des digitalen Angebots.

Weiter ist eine mehrsprachige Plattform geplant, die es erlauben soll, "dem Publikum möglichst alle SRG-Produktionen aus allen Sprachregionen mit entsprechender Übersetzung zugänglich zu machen".

Als erstes Reformthema hat Marchand die Konzentration auf die Besonderheiten des öffentlichen Medienhauses und die damit verbundene Abgrenzung zu privaten Medienangeboten erörtert.

Weiter verspricht die SRG, sich künftig auf ihr "Basismandat" zu konzentrieren. Damit die Unterscheidbarkeit auch im digitalen Bereich verstärkt spürbar wird, verzichtet die SRG zukünftig darauf, Texte ohne Verbindung zu einem Audio oder Video auf den Info-Online-Websites von SRF, RTS und RSI zu publizieren.

Die SRG ist der Ansicht, dass es heute wichtiger denn je ist, den Medienplatz Schweiz gemeinsam zu gestalten und gegenüber der internationalen Konkurrenz zu stärken.

Darüber hinaus bekannte sich SRG-Generaldirektor Marchand zum bestehenden Verbot der Onlinewerbung, auch das Thema regionale Werbung wolle man nicht weiter verfolgen, selbst wenn das regulatorisch mal möglich gemacht würde. In Bezug auf die Vermarktungsfirma Admeira zeigt man sich weiterhin offen für "neue, konstruktive Lösungen" und offen für die Aufnahme neuer Aktionäre. Der heutige Tag stelle für das Unternehmen "einen Neuanfang" dar, so Marchand. Private Medienhäuser werden also die Möglichkeit haben, Newsvideos der SRG kostenlos zu übernehmen. Deshalb erkläre sich die SRG bereit, gemeinsam mit anderen Schweizer Radiostationen einen nationalen Radio-Player aufzubauen. Zudem zeigt sich die SRG offen für Kooperationen bezüglich des Betriebs der Musiksender Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic. Um die SDA in der derzeitigen schwierigen Transformationsphase zu unterstützen, wird die SRG ihren Vertrag mit der SDA zu den aktuellen Bedingungen bis 2019 verlängern.

Das Abstimmungsresultat habe seine Erwartungen übertroffen, sagte SRG-Präsident Jean-Michel Cina am Sonntagnachmittag an einer Medienorientierung.

Den Plan zur Effizienzsteigerung will die SRG im kommenden Sommer "in detaillierter Form" präsentieren. Die Umsetzung startet im nächsten Jahr und zieht sich über die nächsten fünf Jahre. "Es geht aber auch um Arbeitsplätze", sagte Marchand. Uns ist aber durchaus bewusst, dass es eine Verpflichtung darstellt.

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