Attentat auf Ex-Spion - May berät mit Nationalem Sicherheitsrat

Die britische Premierministerin Theresa May vor dem Unterhaus. Quelle AP

Der Westen und Russland sind auf Eiszeit-Kurs.

Das Verhältnis zwischen London und Moskau dürfte sich damit weiter verschlechtern. "Russland ist bereit, gemäß der Chemiewaffenkonvention zu kooperieren" - wenn Großbritannien dies ebenfalls tue, sagte der Außenminister. Der russische Botschafter sei in das Außenministerium einberufen worden.

►Die britische Premierministerin Theresa May hat Russland jetzt ein Ultimatum gestellt, um den Fall zu erklären. Offizielle Stellen in Russland hätten den Anschlag entweder direkt in Auftrag gegeben oder ihn zumindest ermöglicht. Sie warf der britischen Regierung eine "politische Kampagne auf Grundlage von Provokationen" vor und sprach von "Märchen", die in London verbreitet würden.

Im Konflikt um die Vergiftung des Ex-Doppelagenten und seiner Tochter Julia waren die Fronten weiterhin verhärtet.

Skripal und seine Tochter waren vor gut einer Woche bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Weitere 19 Menschen wurden verletzt. Droht ein neuer Kalter Krieg? Die Opfer wurden May zufolge mit einem Nervenkampfstoff vergiftet, der in der Sowjetunion produziert worden war. Es habe "militärische Qualität".

Dass Russland hinter dem Attentat stecken würde, wurde schon am Anfang gemutmaßt.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde.

Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums wurde der Tod des russischen Geschäftsmanns Nikolai Gluschkow in London gemeldet. Die Vorwürfe der britischen Premierministerin Theresa May seien kontraproduktiv, meint die Vorsitzende des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko.

Auch aus diesem Grund will im Westen niemand mehr so recht an die Unschuldsbeteuerungen der russischen Regierung glauben. May hat bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM im Sommer nach Russland zu schicken.

Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die Ermittler gingen inzwischen davon aus, dass das Nervengift in Pulverform über die Lüftung von Skripals Auto verteilt wurde.

Hunderte Beamte der britischen Anti-Terror-Einheit ermitteln mit Unterstützung der Streitkräfte im Fall Skripal.

London/Moskau. Es ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg, das derzeit zwischen Großbritannien und Russland für giftige Stimmung sorgt: Nowitschok, "Neuling". Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok. Es sei Zeit, sehr unwahrscheinliche Möglichkeiten auszuschließen, um Zweideutigkeiten zu vermeiden. Eine andere Massnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Der EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans forderte eine europaweite Reaktion auf den Anschlag. Allerdings müsse es erst gesicherte Ergebnisse zu den Anschuldigungen geben, wie der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok dem "Tagesspiegel" sagte. "Für mich sieht es danach aus, dass es Russland gewesen sein könnte", sagte Trump am Dienstag in Washington mit Blick auf die bislang vorliegenden "Beweise". "Wir haben damit nichts zu tun", sagte Lawrow. So lange man keine Proben des Gifts erhalte, werde man auf das Ultimatum nicht antworten. Also werde man sich vorerst nicht weiter äußern. Die britische Anti-Terror-Polizei leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung zu dem neuerlichen Todesfall ein. Angedrohte Sanktionen würden "nicht unbeantwortet bleiben".

Die diplomatischen Spannungen machten dem Rubel zu schaffen.

London gab Moskau eine Frist bis Dienstagabend. Von seinen Antworten hängen alle weiteren Schritte Großbritanniens ab.

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