Belletristik : Leipziger Buchmesse: Literaturpreis für Esther Kinsky

Esther Kinsky hat den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewonnen

Ausgezeichnet wurden die Schriftstellerin Esther Kinsky, der Historiker Karl Schlögel sowie die Übersetzer Sabine Stöhr und Juri Durkot. Geländeroman von drei italienischen Reisen einer Ich-Erzählerin abseits der touristischen Pfade. Der Roman gebe das "existenzielle Trostvermögen der Sprache" wieder, so die Begründung der Jury. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben. Und weiter: "Was für eine Schule der Wahrnehmung".

Juror Gregor Dotzauer lobte ein "stilles, menschenarmes Buch", eine "Tonlosigkeit", die sich zum "Gesang der Dinge" steigere.

Man werde der unspektakulären Melodie des Buches und der rhythmischen Präzision seiner Sätze nur gerecht, wenn man es langsam lese: "mit einer Geduld, die nichts erwartet, und gerade deshalb mit einem Staunen über die Fülle seiner Einzelheiten belohnt wird. Denn wenn es an 'Hain' etwas besonders zu rühmen gilt, dann ist es der Versuch, einen Weltzugang zu schaffen, der so keiner anderen Kunst und keiner Wissenschaft gelingt".

Esther Kinsky zeigte sich überrascht und bewegt, machte aber - wie in ihren Büchern - keine unnötigen Worte: Sie dankte dem Verlag - Suhrkamp - und vor allem ihrer Lektorin Doris Löschberger, die sie durch das "schwierige Projekt" geleitet habe. Sie übersetzte Werke von Olga Tokarczuk, Joanna Bator und Iain Sinclair. 2009 erschien ihr erster Roman "Sommerfrische". Die würde in unterschiedlichen Bedeutungen auch auf zwei andere nominierte Prosatexte passen, die eigenwillige literarische Gebietserkundungen vornehmen: In ihrem Roman "Die grüne Grenze" spürt Isabel Fargo Cole, eine in Illinois geborene Autorin, die inzwischen in Berlin lebt, die Tiefenschichten deutscher Geschichte im DDR-Sperrgebiet der 70er-Jahre im Harz auf.

Es ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der deutschen Literatur-Szene: Esther Kinsky ist auf der Leipziger Buchmesse für ihren Roman "Hain" mit dem Preis in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet worden. Weitere Preise gehen an den Historiker Karl Schlögel und die Übersetzer des Werks von Serhij Zhadan. "Archäologie einer untergegangenen Welt" den Sachbuch-Preis erhalten. Mit seinem jüngsten Werk über die Sowjetunion habe er eine "fesselnde Physiognomik" dieses untergegangenen Reichs vorgelegt, "von dessen herrlich knisterndem Packpapier bis zur eisigen Hölle in den sibirischen Lagern". Der Osteuropahistoriker, der bis zu seiner Emeritierung an der Universität Konstanz lehrte, müsse, mutmaßte Laudator Alexander Cammann, irgendwann in seinem Leben ein zündendes russisches Erlebnis gehabt haben, das ihn über Jahrzehnte des wissenschaftlichen Forschens getragen habe.

Den Preis für die beste Übersetzung erhielten Sabine Stöhr und Juri Durkot für die Übertragung des Romans "Internat" von Serhij Zhadan aus dem Ukrainischen (Suhrkamp). Er ist Autor zahlreicher Bücher zur sowjetischen und osteuropäischen Geschichte. Der Konflikt zwischen der ukrainischen Regierung und moskautreuen Separatisten im Donbass ist der Hintergrund für Zhadans Werk.

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