Deutscher in türkischer Isolationshaft

Ihr 73-jähriger Vater Enver Altayli sitze seit mehr als einem halben Jahr wegen Terrorvorwürfen in Ankara in Isolationshaft, sagte Altaylis Tochter Zehra Der der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul.

Die Angehörigen eines in der Türkei unter Terrorvorwürfen inhaftierten Deutsch-Türken haben die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Die Familie wende sich aus Verzweiflung über die anhaltende Untersuchungshaft ohne Anklage erstmals an die Öffentlichkeit.

Altayli wurde am 20. August in Antalya festgenommen, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Er sitzt im Hochsicherheitsgefängnis Sincan in Ankara.

Die türkische Justiz wirft Altayli Verbindungen zur Gülen-Bewegung vor. Nach Angaben türkischer Zeitungen hatte er damals sowohl Kontakte zum Bundesnachrichtendienst als auch zur CIA. Ein Besuch bei dem Häftling sei bisher aber nicht genehmigt worden, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Rainer Breul. Diese Regel gilt aber nicht für Doppelstaatler wie Altayli. Dem Auswärtigen Amt zufolge sitzen aber noch vier weitere Deutsche aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen.

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen.

Deniz Yücel ist wieder in Freiheit. Er ging 1968 für den türkischen Nachrichtendienst MIT nach Deutschland, angeblich um seine Kenntnisse der Sowjetunion zu vertiefen. Die Familie beklagt in dem Bericht eine Hetzkampagne regierungsnaher Medien und wünscht sich, dass sich die Bundesregierung stärker für seine Freilassung einsetzt. Da aber weiterhin keine Anklageschrift vorliege und ihr Vater unter der Einzelhaft leide, habe die Familie sich nun doch dazu durchgerungen, den Fall öffentlich zu machen. Er habe aber 2013 einen leichten Schlaganfall erlitten, in der Vergangenheit Magenblutungen gehabt und leide zudem unter hohem Blutdruck.

Altayli war in der Vergangenheit als Zentralasien- und Außenpolitikexperte öffentlich in Erscheinung getreten. "Er war gegen eine Zunahme des Einflusses Russlands auf die Türkei", erzählte seine Tochter. Womöglich hätten russlandfreundliche Kreise in Ankara auf die Inhaftierung ihres Vaters hingewirkt. Ab 1977 war Altayli wieder in der Türkei und dort drei Jahre lang Chefredakteur der MHP-Parteizeitung Hergün. Beim MIT blieb er demnach bis 1973. Tatsächlich aber wurde er in dieser Zeit ein bekanntes Gesicht der türkischen Ultrarechten und hat in den 70er Jahren hierzulande im Auftrag des Gründers der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), Alparslan Türkes, die nationalistische Szene organisiert. Altayli weist alle Vorwürfe zurück.

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