Nicht nur Antibiotika stören die Darmflora

Dennoch werden nicht alle Medikamente die Darmbakterien beeinflussen und nicht alle werden Resistenzen fördern. Dass die 156 getesteten Antibiotika die Mikroben am Wachstum hindern, ist keine Überraschung - doch weit verbreitete Medikamentenklassen, zum Beispiel Protonenpumpeninhibitoren oder Antipsychotika, zeigten in den Versuchen ebenfalls antimikrobielle Wirkungen. Es stellte sich heraus, dass fast ein Viertel der Arzneistoffe (24 Prozent) das Wachstum von mindestens einem Bakterienstamm hemmte.

Neben Antibiotika beeinträchtigen auch viele andere Medikamente das Wachstum der Bakterien im Darm. Michael Kuhn vom Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg untersuchten für ihre Studie knapp 1200 Arzneistoffe aus verschiedenen Klassen hinsichtlich ihrer Wirkung auf 40 Darmbakterienstämme.

Zudem wurde vor kurzem berichtet, dass auch einige häufig verwendete Nicht-Antibiotika die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms verändern, doch der volle Umfang dieses Phänomens war bislang unbekannt. Die Wissenschaftler aus Heidelberg vermuten dagegen, dass in vielen Fällen Medikamente den Bakterienschwund verursachen.

"Insbesondere, weil unsere Daten nahelegen, dass die tatsächliche Zahl wahrscheinlich noch höher liegt".

Sein Kollege Kiran Patil fügte hinzu: "Das ist erst der Anfang".

Die Studie unterstrich auch das bislang unbemerkte Risiko, dass die Einnahme von Nicht-Antibiotika zu einer Antibiotikaresistenz beitragen kann.

Dies liegt daran, dass allgemeine Resistenzmechanismen eine große Rolle zu spielen scheinen, die sowohl gegen Antibiotika als auch gegen andere Medikamente wirken.

"Das ist beängstigend", sagt Co-Autor Nassos Typas, "wenn man bedenkt, dass wir viele nicht-antibiotische Medikamente im Laufe unseres Leben einnehmen, oft für lange Zeit. Interessanterweise kann eine Resistenz gegen bestimmte Nicht-Antibiotika die Wirksamkeit bestimmter Antibiotika erhöhen, was wiederum Möglichkeiten für die Erstellung optimaler Medikamentenkombinationen eröffnet".

Die Forscher wollen nun die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Mikroben in komplexen Darmmikrobengemeinschaften noch eingehender untersuchen. "Das wird uns dabei helfen wird, zu verstehen, wie Menschen manchmal auf dasselbe Medikament unterschiedlich reagieren", sagt Georg Zeller.

Diese Stämme können ganz unterschiedliche Funktionen haben, darunter die Reaktion auf Medikamente.

Dies wiederum eröffnet Möglichkeiten für personalisierte, auf das individuelle Darm-Mikrobiom des Patienten abgestimmte Medikamentenbehandlungen.

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