Drei Menschen sterben am Bornavirus

Martin-Luther-Platz in Borna Nach dem Ort ist das Virus benannt

Experten gehen allerdings von sehr seltenen Einzelfällen aus.

Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts in Greifswald haben nach Informationen des Robert-Koch-Institus das Bornavirus erstmals als wahrscheinlichen Auslöser von schweren Gehirnentzündungen beim Menschen nachgewiesen.

Nun gab es auch in Deutschland drei Todesfälle.

Das Bornavirus ist ein Erreger, der bislang nur bei Tieren beobachtet worden war. Diesmal wiesen die Forscher dank einer speziellen Analysemethode das klassische Bornavirus nach, das bisher nur von Infektionen bei Pferden und Schafen bekannt war.

Die Erkrankungen traten bei zwei Empfängern von Spenderorganen des selben post-mortalen Organspenders auf - beide sind im weiteren Verlauf gestorben. Die Symptome: Bewegungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten. Der dritte Todesfall steht nicht mit der Transplantation in Zusammenhang, Details sind nicht bekannt.

Da die Ursache der Gehirnhautentzündungen bei den betroffenen Patienten nicht mit der Standarddiagnostik zu finden war, zogen die behandelnden Kliniken bereits Ende 2016 die Forscher vom FLI, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, zurate. Eine Folge der neuen Erkenntnisse für die Humanmedizin sei, dass bei ungeklärten Fällen von Gehirnentzündungen auch auf Bornaviren getestet werden sollte - neben den anderen möglichen Erregern. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", sagte Beer.

Ziel sei es nun, neue Nachweismethoden zu entwickeln, damit Bornavirus-Infektionen bereits in einem frühen oder chronischen Stadium erkannt werden können, sagte Hartmut Hengel, Präsident der Gesellschaft für Virologie und Virologe an der Universität Freiburg.

Im Fall des Organspenders müsse eine derartige Infektion vorgelegen haben, so dass die Person gesund erschien und Organe transplantiert werden konnten. Ein dritter Organempfänger desselben Spenders überlebte die Infektion.

Vorkehrungen zur Absicherung der Organspende gegen Borna-Viren seien gegenwärtig aber noch nicht möglich - und angesichts der Seltenheit der Erreger auch nicht nötig, sagt Hengel: "Noch besitzen wir keine geeigneten Werkzeuge, um Organspender vorbeugend zu testen". Wie sich die Tiere anstecken, ist nicht geklärt. In Deutschland vermehrt sich das Virus in Feldspitzmäusen. Der Weg in den menschlichen Organismus ist unklar. Allgemein tritt das Virus laut RKI selten auf: In Teilen Österreichs sowie in Ost- und Süddeutschland, Lichtensteins und der Schweiz.

Außerdem sei nicht klar, ob möglicherweise Vorerkrankungen in den nun dokumentierten Fällen eine Rolle spielen. Am RKI hatten Wissenschaftler von Beginn der 1990er-Jahre an zu möglichen Bornavirus-Infektionen des Menschen geforscht - allerdings wurde die Arbeit 2005 eingestellt. Damals hieß es, man habe trotz jahrelanger Bemühungen keinen belastbaren Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen gefunden.

Vermeintliche Bornavirus-Nachweise in menschlichen Proben waren später auf Verunreinigungen im Labor zurückgeführt worden.

Um die Gefährlichkeit des Virus, das mitunter sogar in Verbindung mit der Entstehung von Krankheiten wie Depression oder Schizophrenie gebracht wurde, gab es in der Vergangenheit eine wissenschaftliche Kontroverse.

Martin Beer vom FLI hob allerdings hervor: "Man muss die aktuellen Einzelfälle eindeutig von den Diskussionen der vergangenen 20 Jahre und den damaligen Untersuchungen abtrennen. Wir sehen jetzt eine ganz klare Symptomatik, wir haben Todesfälle und in den Proben der verstorbenen Patienten lassen sich sehr große Mengen an Virus-Erbgut nachweisen".

Forscher mehrerer deutscher Institutionen wollen nun in einem mit Bundesmitteln geförderten Konsortium ("ZooBoCo") den offenen Fragen zu Bornaviren nachgehen - etwa zu Infektionswegen und Risikogebieten.

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