Echo-Entscheidung "ist schäbig, feige und falsch"

Kollegah und Farid Bang Rapper

"In diesem Zusammenhang und gerade an diesem Tag mutet der deutsche Beitrag zum Gedenken, so wie er sich beim Echo widerspiegelt, mehr als makaber an."In diesem Jahr fällt der Gedenktag an den jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto im Jahr 1943 auf den 12. April". Beim Hessentag im vergangenen Jahr war bereits ein Konzert des Rappers wegen Antisemitismus-Vorwürfen abgesagt worden. Der Beiratsvorsitzende Wolfgang Börnsen machte aber unmissverständlich deutlich, wie schmal der Grat für das Votum war.

Ein formaler Ausschluss sei aber nicht der richtige Weg, hieß es weiter zur Begründung.

Die deutsche Musikbranche kommt am Donnerstag (20.15 Uhr) in Berlin zur Vergabe der diesjährigen Echos zusammen. Auch ein Live-Auftritt der beiden Rapper ist geplant. Zudem könnten sie ausgezeichnet werden. Sie sei "für alle Überlebenden des Holocaust ein Schlag ins Gesicht und ein für Deutschland beschämender Vorgang".

"Die Entscheidung des Ethikrates und der beteiligten Verantwortlichen bezüglich der Teilnahme des Duos Kollegah/Farid Bang ist schäbig, feige und falsch und leistet mit ihrer Tragweite und öffentlichen Wahrnehmung Antisemitismus und Rechtsextremismus Vorschub", sagte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Mittwoch. Sie werde den Echo auf Dauer beschädigen, erklärten die Auschwitz-Überlebenden.

Berlin - Die Rapper Farid Bang und Kollegah provozieren gewöhnlich mit ihren Texten - doch mit ihrem neuen Album sorgten sie in letzter Zeit für besonders viel Aufregung. Der Bundesverband Musikindustrie hatte nach einem kritischen Bericht der "Bild"-Zeitung über den Text den siebenköpfigen Echo-Ethikbeirat eingeschaltet". Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte die Echo-Nominierung der beiden Musiker einen "Freifahrtschein, genauso weiterzumachen".

Anders als bei umstrittenen Nominierungen in den vergangenen Jahren hatte der Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BMI) entschieden, Kollegah und Farid Bang auf der Nominiertenliste zu belassen.

Der jüdische Rapper Spongebozz, der ebenfalls für einen Echo nominiert ist, hält die kritisierte Textzeile für "geschmacklos - aber nicht antisemitisch". Einen möglichen Ausschluss seiner Hiphop-Kollegen bezeichnete er als Zensur: "Die Kunstfreiheit ist ein zu hohes Gut in Deutschland, als dass wir sie einschränken sollten, nur weil uns eine bestimmte Kunst nicht passt". Er sieht ein gesamtgesellschaftliches Antisemitismus-Problem, das nicht auf die Rap-Szene beschränkt sei.

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