Neun Jahre Haft für IS-Anhänger in Wiener Terrorprozess

Das Motiv des Täters wurde erschwerend gewürdigt

Mit den Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und einem abschließenden Statement des Angeklagten ist am Freitag der Prozess gegen den 19-jährigen Wiener Lorenz K. zu Ende gegangen, der laut Anklage im Namen der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) Anschläge durchführen bzw. dazu anstiften wollte.

Bei einem Strafrahmen von bis zu 15 Jahren befand das Schwurgericht eine neunjährige Freiheitsstrafe als tat- und schuldangemessen. "Keine Ahnung, wie Sie erwarten, dass sich da Leute ändern".

Der 19-Jährige wurde von den acht Geschworenen in den zentralen Anklagepunkten - versuchte Bestimmung zum Mord in zwei Fällen, jeweils in Form einer terroristischen Straftat - mehrheitlich schuldig erkannt. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 19-Jährige beim Anschlagsversuch eines damals Zwölfjährigen auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen eine aktive Rolle gespielt hat.

Festgenommen wurde der Bursch am 20. Er hätte ihn auch vom ursprünglichen Anschlagziel - eine Kirche - ab- und auf einen Weihnachtsmarkt gebracht. Letztlich hätte es nur mit viel Glück nicht gekracht, betonte der Staatsanwalt: "Dass nichts passiert ist, ist in Wirklichkeit der Unfähigkeit des Zwölfjährigen zu verdanken". Dieser hätte es "technisch nicht geschafft, die Bombe zu zünden".

Die heute 17-jährige Frau, mit der der Angeklagte nach islamischem Recht verheiratet war, hatte nie an der Absicht des Angeklagten gezweifelt, in Deutschland einen Terroranschlag zu verüben. "Er hat sie ganz klar bestimmt". Den vom Angeklagten behaupteten Rückzieher hätte es nicht gegeben: "Die Eckpfeiler des Plans haben bestanden". Der Anschlag hätte bis Ende Dezember 2015 über die Bühne gehen sollen. Laut Anklage unterblieb er deshalb, weil der Vater des Mädchens ihr Handy durchforstete, dabei die von terroristischem Gedankengut durchtränkten Chat-Verläufe seiner Tochter mit dem Wiener entdeckt und umgehend die Polizei verständigte.

"Ich habe einen Riesenmist gebaut". "Er ist verirrt, aber kein verlorener Sohn". Dafür gibt es keine Entschuldigung. "Die Geschworenen forderte der Anwalt auf, mit ihrem Urteil "den verwirrten Sohn wieder anzugliedern". "Es war ein Blödsinn", gab der 19-Jährige den Geschworenen mit auf den Weg in ihre Beratung.

Schuldsprüche setzte es mit geringen Modifikationen auch in den weiteren Anklagepunkten Beteiligung an einer versuchten vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengmittel in Form einer terroristischen Straftat, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie in einer kriminellen Organisation, Gutheißen terroristischer Straftaten und Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat.

Ob eine längere Haftstrafe überhaupt dazu angetan ist, den (einst?) glühenden IS-Anhänger, der seine Radikalität nur schwer in Zaum halten konnte, zu "bessern", erscheint freilich fraglich. Er sei "nicht komplett geheilt", betonte aber zugleich: "Von dieser Ideologie distanziere ich mich". Der Deradikalisierungsprozess beim Angeklagten sei bereits im Gange, aber noch lange noch nicht abgeschlossen, meinte hingegen der Staatsanwalt. "Die Ideologie ist noch in ihm drinnen".

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