Marius Müller-Westernhagen: Gebe alle Echos zurück

Am Donnerstag freute sich Klaus Voormann noch über seinen Echo- wenig später gab er ihn als einer der ersten zurück

"Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen". Für Westernhagen sei es "lächerlich", sich "hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen", denn "Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm".

Die Echo-Debatte schlägt weiterhin hohe Wellen: Nachdem sich zahlreiche Künstler, Prominente und Politiker wie Tote-Hosen-Frontmann Campino (55) oder Außenminister Heiko Maas (51) kritisch über den Musikpreis und die Auszeichnung der Rapper Farid Bang (31) und Kollegah (33) geäußert haben, haben mittlerweile mehrere Musiker angekündigt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter jetzt auch der deutsche Rockstar Marius Müller-Westernhagen (69, "Freiheit"). "Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt".

Am vergangenen Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden. "Eine neue Stufe der Verrohung ist erreicht". Westernhagen meint, die Raper seien schlicht und einfach ignorant.

In seiner Abrechnung geht Westernhagen jedoch über die Kritik an der Musikindustrie hinaus und nimmt das große Ganze ins Visier: "Es geht im Kern um den Zerfall einer kultivierten Gesellschaft, der zunehmend der innere moralische Kompass abhanden kommt, und dem sehen wir schon viel zu lange zu, ohne genügend Widerstand zu bieten".

Höppner zeigte sich selbstkritisch, als er seinen Rückzug aus dem Beirat begründete: "Diese Entscheidung war ein Fehler". Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, schrieb in einem Brief an die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch: "Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür - bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben". Knobloch hatte die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen" bezeichnet. Besonders kritisiert wurde die Textzeile "mein Körper definiert wie von Auschwitzinsassen", was von vielen als antisemitisch wahrgenommen wurde. "Wir können allerdings vermeiden, dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen". Westernhagen war im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk geehrt worden und hatte in den vorangegangenen Jahren insgesamt sechs weitere Echos gewonnen.

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