Bundeswehr plante Chemiewaffen-Einsatz

Fässer mit Gasgranaten aus dem Ersten Weltkrieg werden im März 1962 in Monzingen vor ihrer Verladung auf Eisenbahnwaggons von Bundeswehrsoldaten bewacht

Berlin. Die Bundesrepublik hat Medienberichten zufolge in den 1960er Jahren umfassende Planungen für den Einsatz von Chemiewaffen angestellt. Dies wurde in der Vergangenheit stets energisch dementiert.

Der Bundeswehr-Generalinspekteur Ulrich de Maiziere (r) auf einem Foto aus dem Jahr 1966 in Bonn neben Bundeskanzler Ludwig Erhard und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel. Von 1962 bis mindestens 1968 habe die Bundeswehr zudem eine detaillierte Planung für eine chemische Kriegführung betrieben, um einen möglichen Chemiewaffen-Angriff des Warschauer Pakts zu vergelten.

Zur Umsetzung der Pläne kam es dem Bericht zufolge aber nicht.

Damals ging die Bundeswehr davon aus, dass der Warschauer Pakt, sollte er Westdeutschland und die Nato angreifen, Chemiewaffen einsetzen würde. Das Pentagon war zunächst bereit, dem nachzukommen. Aber das US-Außenministerium äußerte Bedenken. "1966 entschieden sich die USA gegen eine Weitergabe, ließen aber die Möglichkeit offen, Alliierten im Kriegsfall chemische Munition zur Verfügung zu stellen". Der damalige Generalinspekteur Friedrich Foertsch verlangte für die Bundeswehr: "Wir können auf solche Mittel nicht verzichten". Das belegen einst geheime Akten von Bundeswehr und US-Regierung, die NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung jetzt auswerten konnten. 1966 entstand die von Petras via DDR-Medien enttarnte "Studiengruppe ABC-Wesen "in Sonthofen". Das Expertenteam spielte Gefechte mit C-Waffen beider Seiten in der Region um Braunschweig durch - mit verheerenden Erkenntnissen. In den Sechzigerjahren hat die Bundesrepublik die Beschaffung und notfalls den Einsatz von Chemiewaffen geplant. Die Studiengruppe solle sich aber weiter mit dem Thema beschäftigen. Ein Tabu. Zwar hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet, keine atomaren, biologischen oder chemischen Waffen herzustellen oder einzusetzen. Auch die Strategietreffen, auf denen viele Teilnehmer ganz ernsthaft den Einsatz taktischer Atomwaffen im Falle eines Angriffs von Warschauer-Pakt-Staaten erörtern, finden sich in dem Buch. "Deshalb sah auch die 1967 formulierte Strategie der, Flexible Response' den limitierten Einsatz tödlicher B- und C-Kampfstoffe zur Vergeltung vor". "Heute existieren auf deutschem Boden weder in deutscher noch in Verantwortung von NATO-Verbündeten Chemie-Waffen", so das Ministerium in seiner Erklärung.

Über das Thema berichtet am Donnerstag, 3. Mai, im Ersten das NDR-Politikmagazin "Panorama" (ab 21:45 Uhr). Neben Kennedy Bundeskanzler Konrad Adenauer, hinter ihm und Kennedy in der zweiten Reihe Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel. Die Aufnahme wurde am 21. August 1990 bei der Übung "Crocodile" gemacht. Er soll in diesem Jahr die amerikanische Regierung um die Belieferung mit C-Waffen gebeten haben.

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