Volkswagen muss anständiger werden

Volkswagen- Herbert Diess

VW -Konzernchef Herbert Diess fordert für nicht zum Kerngeschäft zählende Unternehmensteile wie den Motorradbauer Ducati oder den Getriebehersteller Renk "belastbare Zukunftsperspektiven".

VW will seinen viel beschworenen Kulturwandel nach einem holprigen Start entschlossener umsetzen.

Für das laufende Jahr erhofft sich der Konzernchef viel von den rund 80 neuen Modellen, die die verschiedenen Marken einführen würden. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden". Gleichzeitig warnte er, der neue WLTP-Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch, Schadstoff- und CO2-Emissionen könne zu Lieferengpässen führen. Er wies etwa auf die Kapazitäten der Genehmigungsbehörden hin. Für den Volkswagen-Konzern bedeute die Umstellung aufgrund seiner Modellvielfalt eine enorme Kraftanstrengung.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgas-Skandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden. Diess bestätigte die bisherige Prognose, Volkswagen erwartet demnach im operativen Geschäft eine Rendite zwischen 6,5 und 7,5 Prozent. Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt. Dabei sagte er, Werteverstöße und nicht regelkonformes Verhalten gebe es in jeder großen Organisation. Aber im Volkswagen-Konzern habe es bis in die jüngere Vergangenheit hinein eindeutig zu viel davon gegeben. "Eine Portion Demut" mahnte der neue Chef an.

Zugleich konkretisierte der neue Vorstandschef, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt. Diess schließt dabei Ausgliederungen von Nicht-Kerngeschäften nicht aus. Arbeitnehmervertreter hatten einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent hält, strikt abgelehnt. Anders gesagt: "Wir müssen den Konzern vom schwerfälligen Tanker zu einem schlagkräftigen Verbund von Schnellbooten machen", sagte der 59-Jährige.

Nach dem Willen des Vorstands soll Volkswagen bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die neuen Markengruppen heißen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), "Premium" (Audi, Lamborghini, Ducati) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti). Die Beschlusswege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit, erklärte Diess. Generell will Volkswagen die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge - Volkswagen Truck & Bus - weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufstellen und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse machen.

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