Kannte der BND Nowitschok?

Schutzanzüge

BerlinDie Erkenntnisse über das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok stammen einem Medienbericht zufolge maßgeblich aus einer geheim gehaltenen Operation des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Nach einem Bericht des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" sowie der "Zeit" beschaffte sich der BND in den 1990er Jahren über einen russischen Wissenschaftler eine Probe des Giftes. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingeschaltet gewesen.

"Damals an der Entscheidung beteiligte Personen bestätigen den Vorgang, die Bundesregierung und der BND erklärten auf Anfrage zu 'nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages' Auskunft zu geben", heißt es im Beitrag. "Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns für Chemiewaffen interessieren", wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Der spätere Überläufer bot sogar an, eine Probe nach Deutschland zu bringen.

Die Formel sei an das Bundesverteidigungsministerium und den BND übermittelt worden. Auf Weisung des damaligen Bundeskanzlers Kohl habe der BND einige seiner engsten Partner unterrichtet, darunter die Geheimdienste der USA und Großbritanniens. Später sei eine Arbeitsgruppe aus fünf westlichen Geheimdiensten und dem BND eingesetzt worden, die alle Erkenntnisse zu Nowitschok zusammengetragen hätten. In einigen Nato-Staaten seien auch winzige Mengen des Giftes produziert worden, um Schutzausrüstung, Messgeräte und Gegenmittel zu testen.

Der letzte sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hatte schon 1987 versichert, dass die Produktion von C-Waffen eingestellt werde. Um das gute Verhältnis zum damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin nicht zu belasten, entschied sich die Bundesregierung dem Bericht zufolge, die Existenz von Nowitschok nicht öffentlich zu machen. In der Bundesregierung war man aber unsicher, ob der militärische Apparat ohne Wissen der politischen Führung nicht doch weiter an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen arbeitete.

Dieser Text erschien zuerst auf Zeit Online.

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