Dopingexperte Hajo Seppelt verzichtet auf WM-Reise

JENS WOLF via Getty Images            
                    Sportjournalist Hajo Seppelt gilt nach Recherchen über Russlands Doping System dort als Staatsfeind

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt (55) wird nicht zur WM nach Russland fahren. Vorausgegangen sei ein Gespräch des Journalisten und von ARD-Vertretern mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD).

Seppelt hatte wesentlich zur Aufklärung des systematischen Sportbetrugs in Russland beigetragen und war deshalb in dem WM-Ausrichterland angefeindet worden.

Am 11. Mai hatte Russland ein vom SWR beantragtes Visum für Hajo Seppelt mit dem Hinweis für ungültig erklärt, der Investigativ-Journalist stehe auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen" und könne daher nicht einreisen. Diese Entscheidung wurde - auch auf internationalen Druck - von Russland wieder zurückgenommen.

Seppelt sagte, er bedaure die Entwicklung, trage die Entscheidung aber mit. Entscheidend war nach BILD-Informationen die Sicherheits-Einschätzung von Bundeskriminalamt und Auswärtigem Amt. "Minister Maas wies aber auf die möglichen Risiken bei einer Reise Herrn Seppelts nach Russland anlässlich der WM hin".

Hintergrund sind Recherchen des Journalisten zum Doping im deutschen und weltweiten Spitzensport. "Insgesamt ist es eine besorgniserregende Entwicklung für den Sportjournalismus, wenn die Ausübung des Jobs bei der Fußball-WM mit kaum kalkulierbaren Risiken und womöglich folgenschweren Konsequenzen verbunden ist", sagte Seppelt nach der Entscheidung. Unter anderem hatte sich auch die Bundesregierung für Seppelt eingesetzt.

Russlands Vorgehen hatte Wellen bis in die oberste politische Etage geschlagen.

"Der Fall verdeutlicht, wie dramatisch es um die Pressefreiheit insgesamt in Russland steht". "So sehr ich mich auf die Spiele der deutschen Mannschaft freue: Wenn es für deutsche Journalisten zu gefährlich ist, zur WM zu reisen, weil ihnen durch staatliche Behörden die Festsetzung droht, sollten auch deutsche Politiker aus Solidarität nicht fahren", erklärte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock am Donnerstag.

Die am Donnerstag beginnende Fußball-WM 2018 in elf russischen Städten dauert bis zum 15. Juli. Russland steht auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" auf Platz 148 von 180 Ländern. Die Pressefreiheit ist in Russland eingeschränkt. Ein Mann mit Putin-Maske präsentierte den Ball.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen nannte es eine Bankrotterklärung für die FIFA, dass in einem WM-Land ein profilierter Journalist wie Hajo Seppelt aus Sorge um seine Sicherheit nicht anreisen könne. Grundlage der Entscheidung waren demnach Gefährdungsanalysen von Bundessicherheitsbehörden, darunter dem Bundeskriminalamt (BKA), der Nachrichtendienste und des Landeskriminalamt Berlin (LKA).

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