Kulmbach: Der Papst im Film-Café

Mal mahnend mal schmunzelnd

Der mehrfach Oscar-nominierte Regisseur Wim Wenders war "ziemlich überrascht", als 2013 ein Schreiben mit dem Briefkopf des Vatikan bei ihm eintraf.

Das Wirken von Papst Franziskus gewinnt seine Konturen gleichsam vor dem Hintergrund einer düsteren Bestandsaufnahme des geplünderten Planeten, dessen Artenvielfalt schwindet, dessen Meere in Plastikmüll ersticken und auf dem eine himmelschreiende Ungerechtigkeit herrscht: eine "Wirtschaft, die tötet", wird der Papst zitiert. Unter all diesen Machthabern und Alphatierchen wirkt Papst Franziskus wie der Letzte, der überhaupt noch so etwas wie das Gemeinwohl der Menschheit im Auge hat. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news beschreibt Wim Wenders seinen persönlichen Eindruck vom gebürtigen Argentinier, wie aufgeregt er vor dem ersten Treffen war und ob der Papst mit seiner Filmografie vertraut war.

Regisseur Wim Wenders durfte acht Stunden lang den Pontifex interviewen. Dafür standen ihm alle Türen zum Vatikan und zum Papst offen.

In rund 50 Fragen, berichtet Wenders, hat er das Weltbild und die Mission des Papstes abgefragt.

Wim Wenders: Sehr offen, sehr spontan, direkt. Er habe einen Film "mit" Franziskus statt "über" ihn drehen wollen, sagt er dazu. Das rührt sogar abgebrühte US-Kongressabgeordnete, die angesichts der mahnenden Worte des Papstes in Tränen ausbrechen.

Das hat einen klar benennbaren Grund: Weder im Umgang mit dem dokumentarischen Material noch im Interview findet ein Abgleich der päpstlichen Selbstaussagen mit der Wirklichkeit statt.

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Doch auch in Gefängnissen, wo er Füße von Häftlingen wäscht und in afrikanischen Krankenhäusern, wo er Kranke küsst, beweist Franziskus, dass er ein Papst zu Anfassen ist. Bis zum Drehbeginn sollten zwar noch drei Jahre vergehen, doch der Film atmet die Frische des Aufbruchs, der großen Reform, ja Revolution, die Wenders in dem Mann aus Argentinien sieht. Oder gar eine investigative Studie, ob ein einzelner Mann allein gegen das System der katholischen Kirche bestehen kann. Wenn Wenders im Off-Kommentar feststellt, dieser Papst habe mehr in der Kirche bewegt als die meisten seiner Vorgänger, fällt er ein unmissverständliches Urteil. Dass Wenders dabei zuweilen auf die Mittel des propagandistischen Kinos zurückgreift, lässt sich unter der Voraussetzung verzeihen, dass man gewillt ist, sich einem Menschen zu öffnen, dessen Glücksbegriff und Optimismus so stark sind, dass es keine kritische Nachfrage mehr gibt. Vielleicht ist "Franziskus" also doch keine Predigt, sondern schon Werbung.

Wim Wenders erinnert sich in Cannes an den Auftakt dieses ungewöhnlichen Projektes, als ob es gestern gewesen wäre.

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