EZB will Zinsen frühestens im Herbst 2019 anheben

Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank sollen zum Jahresende auslaufen

Und sie scheinen auf den ersten Blick die gleiche Botschaft zu enthalten: Die Normalisierung geht weiter, das Ende der Geldflut naht.

Dass die EZB trotz der jüngsten Konjunkturabkühlung und wachsender Handelskonflikte das Ende der Anleihenkäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt.

Damit bleibt der EZB-Rat bei seiner großzügigen Linie - die US-Zentralbank Federal Reserve hatte den Leitzins für die USA am Mittwoch um 0,25 Punkte auf 1,75 bis 2,0 Prozent angehoben. Zumal die Notenbank wichtige Entscheidungen bereits in der Vergangenheit auf diese Weise eingeläutet hat. Das wirklich Bittere: Die Inflation steigt - schon über 2 Prozent - das heißt, das Geld wird weiter aufgefressen, wird weniger.

Einmal im Jahr kommen die 25 Mitglieder des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) außerhalb Frankfurts zusammen, um über die Euro-Geldpolitik zu beraten. Bis Ende September will die Notenbank monatlich noch Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Euro kaufen. Ihre Schlüsselzinsen will die EZB mindestens über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau halten. Der Leitzins bleibt auf Niedrigstand. Damit steht ein Abbau der durch die Wertpapierkäufe stark aufgeblähten Bilanz der Notenbank noch nicht auf der Tagesordnung. Bei der EZB dagegen wird das selbst nach dem Auslaufen des Ankaufsprogramms nicht der Fall sein. Die lockere Geldpolitik hat die Aktienmärkte auf neue Rekordstände getrieben. An den Kapitalmärkten ist die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen sogleich zurückgegangen.

"Eine so frühe und ausdrückliche Festlegung hatten wir für dieses Treffen nicht erwartet". Dagegen ließ der Euro Federn und gab zeitweise bis zu 1,5 Prozent auf 1,1617 Dollar nach. Diese Marke gilt als der juristisch kritischer Schwellenwert. Für 2018, 2019 und 2020 rechnet sie ihren neuen Projektionen zufolge mit einer Preissteigerungsrate in der Eurozone von jeweils 1,7 Prozent. Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 0,0 %. Kaum ein Ökonom erwartet, dass sich daran vor dem nächsten Jahrzehnt etwas ändert. Sie sei aber auch mutig, weil die wirtschaftlichen Risiken wieder zugenommen hätten. "Wir haben diese Entscheidung zu einem Zeitpunkt getroffen, da die geopolitische Unsicherheit zunimmt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Sitzung des obersten Notenbankgremiums in der lettischen Hauptstadt Riga. Die Prognoseanhebung sei vor allem auf höhere Rohölpreise zurückzuführen, erklärte Draghi.

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