Neuer Berlinale-Direktor: Locarno-Chef Chatrian?

Für Carlo Chatrian stehen die Filme im Mittelpunkt. Aber auch das Drumherum hat er im Blick

Vom sonnigen Tessiner Juli in den nasskalten Berliner Februar: Das ist wohl noch eine der geringeren Umstellungen für Carlo Chatrian, wenn er vom Filmfestival in Locarno zur Berlinale wechselt.

Weil im Mai 2019 der Vertrag Dieter Kosslicks als Berlinaledirektor ausläuft, wurde bereits seit Monaten nach einer geeigneten Nachfolge gesucht und viel spekuliert. Er wurde im norditalienischen Turin geboren und studierte dort Literatur und Philosophie. In Locarno war er zunächst als Kurator für die Retrospektive zuständig, bevor er 2012 zum künstlerischen Leiter des Festivals berufen wurde.

Die Berlinale war öfter für die Auswahl im Wettbewerb kritisiert worden. Auch an formalen Experimenten ist er interessiert, weil ihn klassische Erzählkonventionen eher anöden. Schon früh war der Italiener, aktuell noch künstlerischer Leiter des Filmfestivals in Locarno, als Kandidat zumindest für die künstlerische Leitung ins Gespräch gebracht worden. Auch Auftritte absolvierte er ohne grosse Gesten.

Die Berlinale ist ein großes Publikumsfestival mit mehr als 300 000 verkauften Eintrittskarten. Als mögliche Kandidatinnen werden jedoch Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus, NRW-Filmstiftungschefin Petra Müller und die ehemalige Produzentin Maria Köpf gehandelt, die ihr vor drei Jahren angetretenes Amt als Chefin der Hamburger Filmförderung kürzlich überraschend wieder aufgab. Gelegentlich sind seine Programme dem Vorwurf ausgesetzt elitäres Kunstkino zu sein. Was für Berlin, wo derzeit noch Dieter Kosslick auf dem roten Teppich medienwirksam Hollywoodstars abbusselt, schon formal eine interessante Neuerung sein könnte.

Ist Carlo Chatrian das? Er kenne ihn nicht persönlich, sagt Regisseur Christian Petzold, der den Brief mitunterzeichnet hat.

Unklar ist, wer zu Chatrian in diese abgeschwächte Doppelspitze der Internationalen Filmfestspiele von Berlin stoßen wird. Aber das sollte in der internationalen Filmwelt das kleinste Problem sein. In den vergangenen sechs Jahren hat er dem Locarno Festival zu grossem künstlerischem Auftrieb verholfen, wenngleich seine mitunter gewagte Filmauswahl nicht immer auf breite Zustimmung traf. Zu Spekulationen wolle Solari nichts sagen, heisst es.

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