Franzose wurde 92 Jahre alt: Shoah-Regisseur Claude Lanzmann ist tot

Filmemacher Claude Lanzmann lächelt in die Kamera

Der französische Regisseur und Autor Claude Lanzmann ist im Alter von 92 Jahren in Paris gestorben. Zuvor hatte die Zeitung "Le Monde" berichtet. Mit diesem neuneinhalbstündigen Zeitzeugnis über den Völkermord an europäischen Juden schrieb sich der französische Filmemacher, Philosoph und Schriftsteller in das Gedächtnis der Menschheit.

Seine journalistische Arbeit war dabei immer auch philosophisch unterfüttert, war Lanzmann doch mit Jean-Paul Sartre befreundet und führte mit der Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir eine siebenjährige Beziehung.

Auf die Frage, ob er Frankreich oder Israel als seine Heimat ansehe, antwortete er einmal: "Meine Heimat ist mein Film".

Viele reagierten mit den richtigen Worten auf seinen Tod. Diese mussten das Erzählte nochmals durchleben und machten den Film so zu einem "ursprünglichen Ereignis", wie Lanzmann es nannte.

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, sagte: "Claude Lanzmann hat mit seinen Bildern all denen eine Stimme gegeben, die in der Dunkelheit der Shoah in den deutschen Vernichtungslagern verstummten und ermordet worden sind".

Für den Film hatte Lanzmann zwölf Jahre gebraucht und 350 Interviewstunden mit überlebenden Opfern, Tätern und Beobachtern aufgezeichnet, wobei er auf jegliches Archivmaterial verzichtete und ausschließlich Zeitzeugen zu Wort kommen ließ.

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erklärte in Jerusalem, die neunstündige Dokumentation habe das Gedenken an die Judenvernichtung weltweit dramatisch verändert. Er rief in seinen Filmen und Büchern die Vergangenheit wach. So schreibt sich Lanzmann selbst in die Geschichte, in ihre Phantasmagorien und ihre gespenstische Blutspur ein: ein Kind, das das 20. Jahrhundert träumt im Medium eines Films, der eine öffentliche Guillotinierung zeigt.

Lanzmann wurde 1925 geboren und war von Kindesbeinen an mit Antisemitismus konfrontiert. Während des Zweiten Weltkrieges schloss er sich 1943 der französischen Résistance gegen die nationalsozialistische deutsche Besatzungsmacht an und beteiligte sich an Partisanenkämpfen.

Unter Lanzmanns Ägide ergriff "Les Temps moderne" in den späteren Nahostkriegen Partei für Israel. In seiner ersten Doku "Pourquoi Israel" setzte er sich mit seiner eigenen jüdischen Identität auseinander. Anfang der 70er-Jahre begann er seine Karriere als Filmschaffender. Und tatsächlich kehrt das Motiv des Hasen später in "Shoah" wieder, wenn ein erdfarbener Hase von einem Stacheldrahtzaun im KZ Birkenau aufgehalten wird... Wie kein anderer widmete er sich fortan der Aufarbeitung der Gräuel des Nationalsozialismus. Für sein Porträt von Rabbiner Benjamin Murmelstein, dem letzten Vorsitzenden des sogenannten Judenrates in Theresienstadt, schnitt er Aufnahmen eines Interviews aus dem Jahr 1975 mit modernen Ansichten von Theresienstadt zusammen. Seit 1995 war Lanzmann Dominique Petithory verheiratet.

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