Urteil im NSU-Prozess: Beate Zschäpe bekommt Höchststrafe wegen Mordes

Im Paulus und Bebelviertel sind in der Nacht zu Dienstag zahlreiche Straßenschilder überklebt worden

Durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ist so gut wie ausgeschlossen, dass Zschäpe nach 15 Jahren im Gefängnis vorzeitig frei kommt. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Bundesanwaltschaft und verurteilte Zschäpe, die an keinem der Tatorte war, als Mittäterin an den Morden und Anschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer kündigte an, Revision einzulegen. Nun müsse sich der Bundesgerichtshof dies überprüfen.

Update 10.04 Uhr:Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben ist als Waffenbeschaffer zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München sprach E. allerdings nicht der Beihilfe zum versuchten Mord schuldig, sondern lediglich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Der Mitangeklagte Holger G. wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Neben Zschäpe sitzen in München auch vier weitere NSU-Helfer und -Unterstützer auf der Anklagebank.

Mit der Urteilsverkündung in München findet eines der größten Verfahren der bundesdeutschen Geschichte nach mehr als fünf Jahren Verhandlungsdauer sein (vorläufiges) Ende.

André E. ist zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach Wohlleben der Beihilfe zum Mord schuldig. Im Prozess hatte er sich bei den Angehörigen der Opfer des NSU entschuldigt und zugegeben, dem Trio Papiere beschafft und ihnen damit ein nach außen hin unauffälliges Leben ermöglicht zu haben.

Gegen Carsten S. verhängte das Gericht drei Jahre Jugendstrafe wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen.

► Vor der Urteilsverkündung betrat Beate Zschäpe den Gerichtssaal. S. hatte gestanden, dem "Nationalsozialistischen Untergrund" die "Ceska"-Pistole übergeben zu haben, mit der die Neonazi-Terroristen später neun Menschen erschossen".

Carsten S., dessen Verteidiger Freispruch gefordert hatten, erhält eine Erziehungsstrafe von drei Jahren. Die Verteidiger hatten dagegen Freispruch gefordert - ihr Mandant habe nichts von den geplanten Morden des NSU gewusst. Sie bestreiten auch die Darstellung der Anklage, dass Zschäpe mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den NSU gebildet habe.

Der dreiköpfigen Terrorgruppe NSU werden zehn Morde sowie zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle zur Last gelegt. Sie hat wohl mit diesem Urteil gerechnet. Die Bundesanwaltschaft hatte härtere Strafen für die Männer gefordert, insbesondere für Eminger. Er wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt, da er zum Zeitpunkt der Tat noch ein Heranwachsender war.

Für alles zusammen hat Zschäpe eine lebenslange Haftstrafe bekommen. Die 43-Jährige wird zu lebenslanger Haft verurteilt, was der Höchststrafe entspricht. Erst mit dem Auffinden der Leichen von Böhnhardt und Mundlos im Jahr 2011 wird klar, dass die Taten einen rechtsextremen und fremdenfeindlichen Hintergrund hatten. Stattdessen vermuteten sie, dass auch die Täter ausländische Wurzeln hätten - Schutzgelderpressung oder eine Familienfehde. Untersuchungsausschüsse des Bundestages und mehrerer Landtage wurden eingesetzt, einige führende Geheimdienstler mussten ihren Hut nehmen.

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