Das sagen internationale Presse und Social Media zu Özils Rücktritt

Die Erklärung des Deutschen Fußball-Bundes kam am Nachmittag. Ein Beispiel: "Die Medien kritisierten nicht meine Leistung, sondern bloß meine türkische Herkunft". Die Pressereaktionen im Überblick.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir sagte der "Berliner Zeitung", Özils Rücktritt "tut weh". Der deutsche Fußball hat mit unzähligen Aktionen bewiesen, dass er sich für Integration, ein faires Miteinander und ein weltoffenes Land engagiert. Wenn er und die deutschen Nationalspieler Zivilcourage hätten, würde bis auf weiteres keiner mehr vor dem Spiel und den Kameras die Nationalhymne mitsingen - aus Solidarität. "Mesut Özil ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußballnationalmannschaft geleistet hat", ließ Angela Merkel von Regierungssprecherin Ulrike Demmer verlauten. "Bild hätte nie Özils Rauswurf aus der Nationalelf gefordert". "Um es mit Özils Worten zu sagen: Genug ist genug". "Dass Özil da einen absoluten Fehler gemacht hat, der durch nichts zu rechtfertigen ist, das ist völlig klar". "Die Kritik von Özil müssen wir ernst nehmen", sagt Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftragte und Staatsministerin im Kanzleramt, die gleichsam erneut das Erdogan-Foto von Özil und Gündogan kritisiert.

Özil hätte als Weltmeister und Held in die deutsche Fußballgeschichte eingehen können, als Vorbild einer gelungenen Integration. Aber in diesem Fall ist es anders. Auch hier geht es schnell um Integration: Für die Bundesregierung sei das eine "Schlüsselaufgabe", so Demmer, bei der alle gesellschaftlichen Gruppen gefragt seien. Jetzt zahlten sie einen hohen Preis dafür, und eine gespaltene Gesellschaft zahle diesen Preis gleich mit. Zugleich prangert er Rassismus-Erfahrungen an und beklagte, DFB-Funktionäre hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert. "Was er allerdings genauso wie sein Mitspieler übersah - oder womöglich übersehen wollte -, ist der Umstand, dass allein schon aufgrund von Erdogans Amt ein politischer Zusammenhang besteht". Sie behaupten, Özil müsse sich erklären, müsse sagen, wo er stehe und wem seine Loyalitäten gälten.

Auch Stuttgarter Bürger haben eine klare Meinung zu Mesut Özils Rücktritt.

"Es ist ein schmerzlicher Bruch, voller Groll". Weiter schrieb er: "Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war". Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister geworden ist. "Ein Land kann nicht so treulos sein", schreibt der Sportkommentator des regierungsnahen Blatts, Halil Özer.

Der DFB bedauert den Ablauf im Fall Mesut Özil (29).

Und schlimm, was die Özil-Abrechnung für Folgen haben kann: Denn ein verdienter Nationalspieler wie Özil tritt nicht wegen Kleinigkeiten zurück. Danke, für das was du für den deutschen Fußball getan hast. Meine Freunde Lukas Podolski und Miroslav Klose werden nie als Deutsch-Polen bezeichnet, also warum bin ich Deutsch-Türke? Bei diesen Sponsoren bedankt sich Özil freundschaftlich: "They rise above the nonsense created by the german press and media".

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