DFB reagiert mit einer Defensivtaktik auf Özils Vorwurf

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Klar, Angela Merkel ist eigentlich im Urlaub. Die Bewertung des Rückzugs überlasse man dem Deutschen Fußballbund (DFB).

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat den Rassismus-Vorwürfen des zurückgetretenen Fußball-Nationalspielers Mesut Özil gegen den Verband mit Vehemenz widersprochen, dessen Abschied aber ebenfalls bedauert. Gündogan widmete es "seinem Präsidenten". Und weiter: "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben".

Dennoch: Hoeneß hat sich laut der "Welt" am Montag bei der Abreise seines FC Bayern zum Trainingslager in die USA zum Fall Özil geäußert. "Und ich denke, Deutschland muss sich bei Mesut entschuldigen". "Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren". Und von der geradezu aberwitzigen Naivität im Erklärungsversuch Özils, er habe in dem Foto keine politische Dimension erkennen können. "Aber was sich an Bergen von Respektlosigkeit, Vorurteilen und Rassismus danach über den Weltmeister und einen der Besten unserer Mannschaft ergoss, ist beispiellos, niederschmetternd und niederträchtig".

Wie integrativ ist der Sport?

Özil stehe "für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis".

Mesut Özil hat seine DFB-Karriere mit einer Generalabrechnung beendet und eine heftige Debatte ausgelöst. Zitat: "Seien wir ehrlich, eine Aktion, wie bei der WM von den Schweden gesehen, als sich das ganze Team hinter den ebenfalls übel beschimpften Jimmy Durmaz stellte, ist im heutigen DFB-Kosmos schwer bis gar nicht vorstellbar".

Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück.

Sögüt führt hingegen 63 Torbeteiligungen Özils im Nationalteam an, fünfmal wurde er von den Fans zum Nationalspieler des Jahres gewählt. Özil verteidigt darin sein umstrittenes Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan im Mai. "Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein", schreibt der DFB. Er spart niemanden aus: die Medien, die Führung des DFB, die Politiker, die ihm nie eine Geste verziehen hätten, die für ihn nur Respekt für das höchste Amt im Land seiner Familie gewesen sei. "Ich kann nur vermuten, dass er Spannung aufbauen wollte", sagte Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV).

Auch Überall kritisiert, dass Özil sich erst spät gerührt habe. "Die anderen haben ihn durchs Endspiel gezogen", sagt Hoeneß weiter.

Analog zu einer kurz zuvor veröffentlichten DFB-Erklärung fügte Koch an: "Ich bedauere den Rücktritt von Mesut Özil sehr". Özil trägt seit 2013 Adidas-Fußballschuhe. Aber auch, dass Özil bald gerne wieder nominiert werden würde, hielten sie im DFB für nicht unwahrscheinlich.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den von Özil erhobenen Vorwurf des Rassismus zurückgewiesen.

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