Mesut Özil tritt aus der Nationalmannschaft zurück

Im Trikot der Nationalmannschaft wird Mesut Özil in Zukunft nicht mehr auflaufen

Via soziale Medien lässt er in einem Englisch, das nicht seines ist, dreistufig auf jeden ballern, der daran Schuld sein soll, dass alles so furchtbar schief lief, bevor er dann in der letzten von drei langen Tweets hinschmeisst. "Diverse deutsche Zeitungen", schrieb er, "nutzen meinen Hintergrund und das Foto mit Präsident Erdogan als rechte Propaganda". Bleibt abzuwarten, wann der Rest der deutschen Nationalmannschaft endlich Farbe bekennt. Vize-Präsident Rainer Koch schrieb auf Facebook: "Mit Nachdruck sind Angriffe gegen die DFB-Spitze zurückzuweisen, die die umfassende, seit vielen Jahren geleistete Integrationsarbeit des DFB (.) in Frage stellen und den DFB mit Rassismus in Verbindung bringen".

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, sagte im Sender NDR Info, Mesut Özil habe es sich mit seinen Stellungnahmen zu leicht gemacht. Mit der Welt? Wem gegenüber glaubt Özil, einen Erklärungsbedarf zu haben?

Von der AfD ist zu hören, Özil verdanke Deutschland seine Karriere. Der Nationalspieler verwies auf seine türkischen Wurzeln und erklärte, er habe keine politischen Absichten verfolgt.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD): "Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den von Özil erhobenen Vorwurf des Rassismus zurückgewiesen.

Özils endet im dritten Teil seiner Twitter-Trilogie mit dem Satz: "I was born and educated in Germany, so why don't people accept, that I am German?"

Das Foto habe aber keine politische Botschaft oder sei als Wahlhilfe zu verstehen gewesen, betonte Özil. Bei der AfD etwa zeigt sich die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel besonders kritisch gegenüber Özil: "Mit seiner Abschiedstirade erweist sich Mesut Özil leider als typisches Beispiel für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis". Sicher nicht gerechnet hatten sie aber damit, dass Özil und sein Manager Erkut Sögüt, der die Statements formuliert haben dürfte, den DFB-Chef Grindel in dieser Schärfe angreifen würden. Der Fußballprofi hatte sich im Gegensatz zu anderen Spielern mit türkischen Wurzeln eben für die deutsche Mannschaft entschieden - und war einer ihrer Stars geworden: Sechsmal wählte man ihn zum Nationalspieler des Jahres.

Der in Deutschland aufgewachsene Abgeordnete der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, Mustafa Yeneroglu, warnte vor einer Verkürzung der Debatte auf das Foto mit Erdogan. Aber welchen deutschen Fan interessiert das?

Der Rücktritt von Mesut Özil wird im In- und Ausland diskutiert. Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerome Boateng der Fall war, bedauern wir. Diese Unterstellungen gilt es, mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Kanzlerin Merkel hatte bei einem Besuch im Trainingslager von Joachim Löws Auswahl im Mai in Südtirol mit Özil und Gündogan gesprochen. Was soll das sein, wenn nicht Größenwahn? "Unabhängig von der Art und Weise seines Rücktritts ist Mesut Özil für seinen Einsatz in 92 Länderspielen zu danken". Jetzt, wo ihm die Sponsoren abspringen, beißt Özil um sich, keilt gegen jeden und alle und schmeißt hin, was sowieso nicht mehr zu reparieren war. Diese Entscheidung war sehr schwer, weil ich immer alles für meine Teamkollegen, den Trainerstab und die guten Leute in Deutschland gegeben habe.

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