Kino - "Deine Juliet": Buchautorin auf therapeutischer Mission

Spaziergänger am idyllischen Inselstrand Juliet und Dawsey Adams

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in London ist Juliet Ashton (Lily James) auf der Suche nach ihrem Glück. Eines Tages erhält sie einen Brief von einem charmanten, aber recht eigenartigen Mann namens Dawsey Adams (Michiel Huisman), der auf Guernsey lebt. Juliet beschließt über den Club zu schreiben und nach Guernsey zu reisen. Dabei wird der Name des Guernseyer Buchclubs – „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ – bereits in den ersten Minuten dreimal erwähnt. Der Buchclub, dem auch Dawsey angehört, entstand zu Kriegszeiten und half seinen Mitgliedern über viele schweren Stunden hinweg, als Guernsey sich unter deutscher Besatzung befand. Gleichzeitig bringen einen die unbeholfenen Frauengespräche zwischen Juliet und der vorlauten, aber einsamen Isola auch gehörig zum Lachen, während sich zwischen diesen konträren Momenten zudem eine zaghafte und in ihrer Zurückhaltung alles andere als klischeehafte Romanze zwischen Juliet und Dawsey entwickelt. Aufdringliche Musik und andere audiovisuelle Spielereien gibt es nicht; sie würden von der zurückhaltend erzählten Geschichte ohnehin nur ablenken.

Die Macher setzen in "Deine Juliet" ganz allein auf ihre Faszination und flechten dafür immer auch ihre traurigen Hintergrundgeschichten ins Geschehen mit ein. Dadurch werden nicht bloß die Charaktere an sich zum Herzstück des Films, sondern mit der Zeit auch das Entdecken, wie der Zweite Weltkrieg den Zusammenhalt der Inselbewohner geprägt hat. Denn weder waren ihre Schöpferinnen (die Romanvorlage stammt von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows) je in Guernsey noch wurde der Film dort gedreht. Einer sehr realitätsnah inszenierten Trennung zwischen Juliet und ihrem Verlobten steht da der Ausgang des obligatorischen Liebesdreiecks gegenüber: Nachdem die Beziehung zwischen Juliet und ihrem in London verbliebenen Partner Mark (Glen Powell) zunächst noch als stabil und glücklich etabliert wird, genügen dem Regisseur auf der Zielgeraden seines Films ein paar dramatische Augenaufschläge von Seiten Dawseys, um der jungen Frau den Kopf zu verdrehen. Doch die Guernseyer sind von dieser Idee gar nicht begeistert. Michiel Huisman ("Für immer Adaline") spielt ebenfalls stark auf, muss sich aber schon ein wenig mehr Mühe geben, gegen den Stereotyp des zurückhaltenden Einsiedlers anzukämpfen. Hier zeigt die Britin, dass sie auch großes Gefühlskino kann.

"Deine Juliet" ist ab dem 9. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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